Das Bundesagrarministerium ist ein Schlüsselressort für die CSU. Fast 50 Prozent der Landesfläche Bayerns werden landwirtschaftlich genutzt, es gibt mehr als 230.000 landwirtschaftliche Betriebe. Seit 2005 stellt die CSU den Ressortchef: zunächst Horst Seehofer, von 2008 bis 2013 Ilse Aigner. Seit dem 17. Dezember 2013 ist der frühere Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich für Ernährung und Landwirtschaft zuständig, ohne den Verbraucherschutz. Der wurde mit Bildung der großen Koalition ans Justizressort angehängt.

Wer könnte auf Friedrich folgen – nach seinem Rücktritt im Zuge der Affäre um den SPD-Politiker Sebastian Edathy? CSU-Chef Horst Seehofer muss schnell einen Nachfolger präsentieren, der dem Kommunal- und Europawahlkampf der Partei nicht schadet. Eine Überraschung ist nicht ausgeschlossen, wie ein Überblick über wahrscheinliche Kandidaten zeigt:  

Gerda Hasselfeldt: Für die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag spricht ihr Bekanntheitsgrad und ihre Erfahrung. Sie ist – als Nachrückerin von Franz Josef Strauß – seit 1987 ununterbrochen Bundestagsabgeordnete, war Parlamentsvizepräsidentin und finanzpolitische Sprecherin der Unions-Fraktion. Die 63-Jährige hat zudem Erfahrung als Bundesministerin. Von 1989 bis 1991 war sie für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau zuständig, von 1991 bis 1992 für Gesundheit. Landwirtschaft und Ernährung sind zwar nicht ihre Lieblingsthemen, im sogenannten CDU/CSU-Kompetenzteam für die vorgezogene Bundestagswahl 2005 hatte Angela Merkel Hasselfeldt aber für die Themen Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Umwelt berufen. 

Die aus Niederbayern stammende Hasselfeldt hat bereits als Friedrich-Nachfolgerin Erfahrung. Sie übernahm im März 2011 den Vorsitz der CSU-Landesgruppe, als Friedrich infolge der Guttenberg-Affäre Bundesinnenminister wurde. Hasselfeldt ist sowohl in der Hauptstadt als auch in der CSU bestens vernetzt. Unter ihrer Leitung hat die Landesgruppe in der Unions-Fraktion ihre Bedeutung gefestigt. Erfreulicher Nebeneffekt eines Hasselfeldt-Wechsels könnte für Seehofer sein, dass er mit einem neuen Landesgruppenchef seinen Einfluss in der Unionsfraktion ausbauen könnte.

Helmut Brunner: Mit dem 59-Jährigen würde Seehofer sich für einen Fachpolitiker entscheiden, dem die Interessen der bayerischen Landwirte aus eigener Erfahrung vertraut sind. Nach dem plötzlichen Tod seines Vaters hatte er als 17-Jähriger den elterlichen Hof übernommen und 1976 die landwirtschaftliche Meisterprüfung abgelegt. Der Niederbayer ist seit 2008 Landwirtschaftsminister in Bayern.

In der CSU hat er über Karriere gemacht: Er war Gemeinderat seines Heimatortes Zachenberg, Mitglied im Kreisrat des Landkreises Regen, CSU-Kreisvorsitzender. Im vergangenen Jahr wurde bekannt, dass er in die sogenannte Verwandtenaffäre verwickelt war. Sein Name stand auf einer von Parlamentspräsidentin Barbara Stamm veröffentlichten Liste mit Abgeordneten, die auf Landtagskosten ihre Ehepartner oder Verwandte ersten Grades beschäftigt haben. Brunner überstand die Affäre jedoch, Seehofer berief ihn im Herbst 2013 erneut zum Landwirtschaftsminister.

Christine Haderthauer: Neben Ilse Aigner und Markus Söder gilt die 51-Jährige als eine mögliche Nachfolgerin von Ministerpräsident Seehofer. Als ehemalige CSU-Generalsekretärin kann sie politisch Kante zeigen, als frühere Landessozialministerin bringt sie Erfahrung im Führen eines Ressorts mit. Das Verhältnis von Seehofer und Haderthauer gilt als nicht problemfrei: 2010 verärgerte sie Seehofer so, dass sie angeblich kurz vor dem Rauswurf aus dem Kabinett stand. Sie hatte gesagt, CSU-Chef Franz Josef Strauß sei kein Vorbild. Nach der Landtagswahl im Herbst 2013 berief Seehofer die aus Oberbayern stammende Politikerin zur Leiterin der Staatskanzlei – was als Rückschritt in Haderthauers Karriere gewertet wurde.  

Marlene Mortler: Die 58-Jährige ist seit Januar Drogenbeauftragte der Bundesregierung – ihre Schwerpunktthemen sind aber Landwirtschaft und Tourismus. 2004 bis 2005 war sie agrar- und verbraucherpolitische Sprecherin der CSU-Landesgruppe, 2006 bis 2009 Vorsitzende des Ausschusses für Tourismus. Seit November 2011 ist sie Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der CSU.

Zusammen mit ihrem Zwillingsbruder wuchs Mortler auf dem elterlichen Bauernhof in Dehnberg nahe Nürnberg auf, der heute auf die Produktion von Futter- und Nahrungsmitteln spezialisiert ist. Mortler stammt wie Friedrich aus Franken. Mit ihrer Benennung würde der Regionalproporz in der CSU gewahrt.

Mortler war bereits in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD als Kandidatin für das Agrarministeramt gehandelt worden. Auch 2008 war sie für den Posten im Gespräch gewesen, als es um die Nachfolge von Seehofer nach dessen Wechsel nach Bayern ging.

Außenseiterchancen für die Nachfolge Friedrichs haben außerdem die Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär, Hans Michelbach und Stefan Müller. Müller, derzeit parlamentarischer Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, wäre auch eine Option Seehofers für die Nachfolge Hasselfeldts, falls diese Bundesagrarministerin würde. Von Oktober 2009 bis Dezember 2013 war Müller parlamentarischer Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag.