Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe lehnt eine Freigabe der "Pille danach" ab. Der CDU-Politiker warb für eine gute Beratung bei dem Verhütungsmittel. Diese sei "am besten gewährleistet, wenn es bei der Verschreibungspflicht bleibt", sagte der CDU-Politiker der Welt am Sonntag. Damit folgt er nicht der Empfehlung des zuständigen Sachverständigenausschusses für Verschreibungspflicht, die Rezeptpflicht aufzuheben.    

Am kommenden Donnerstag wird der Bundestag über Anträge von Linken und Grünen beraten, die Verschreibungspflicht aufzuheben. Auch die SPD ist dafür. Gröhe warnte vor einer "Debatte mit Schaum vor dem Mund". Es gehe weder darum, vermeintlichen Sittenverfall zu bekämpfen, noch darum, die Selbstbestimmung von Frauen einzuschränken.

"Es geht darum, das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und die Frauengesundheit bestmöglich zusammenzubringen", sagte Gröhe. Bei der "Pille danach" handele es sich um einen Wirkstoff, der in Einzelfällen schwerere Nebenwirkungen haben könne. 

Ermöglicht Schwangerschaftsabbruch binnen 72 Stunden

Zwar könnten auch Apotheken die nötige Beratung übernehmen, doch sei fraglich, ob das im Notdienst an der Fensterklappe in ausreichender Weise geschehen könne. Die Verschreibung ermögliche ein Beratungsgespräch, das in der vertraulichen Atmosphäre einer Praxis erfolge und der Schweigepflicht unterliege.  

Ein Gremium von Arzneimittelexperten am Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hatte zuvor empfohlen, die Verschreibungspflicht für das Präparat auf Basis des Wirkstoffes Levonorgestrel aufzuheben. Es kann eine Schwangerschaft verhindern, wenn es bis spätestens 72 Stunden nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Der Bundesrat hatte bereits im November dafür gestimmt, die Verschreibungspflicht für Levonorgestrel aufzuheben, die Bundesärztekammer hat sich dagegen ausgesprochen, die "Pille danach" freizugeben.