Der Bundestag debattiert am Abend über die Pille danach. Grünen- und Linksfraktion wollen ein Ende der Verschreibungspflicht erreichen. Frauen könnten die Pille dann direkt in der Apotheke kaufen. Dafür spricht sich auch die SPD aus – im Gegensatz zu Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Der CDU-Politiker plädiert dafür, dass Frauen wie bisher vor der Einnahme von einem Arzt beraten werden.

Die SPD-Gesundheitspolitikerin Hilde Mattheis hält dagegen. "Das Selbstbestimmungsrecht von Frauen muss bei der Debatte um die Pille danach im Vordergrund stehen", twitterte die Bundestagsabgeordnete. In der ARD sagte sie, man dürfe nicht mit ideologischen Scheuklappen argumentieren. Sie hoffe auf Einsicht beim Koalitionspartner. Zuvor hatte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Karl Lauterbach, eine Bundesratsinitiative für die rezeptfreie Abgabe des Mittels nicht ausgeschlossen.


Die Pille danach ist ein Präparat auf Basis des Wirkstoffes Levonorgestrel. Es kann eine Schwangerschaft verhindern, wenn es bis spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Das Präparat bewirkt keine Abtreibung und hat keinen Einfluss auf bestehende Schwangerschaften – anders als viele Frauen befürchten. Das Hormon-Medikament verzögert oder verhindert nur den Eisprung und kann dadurch eine Schwangerschaft vermeiden, wenn es rechtzeitig eingenommen wird.

Ein Expertenausschuss des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat vor wenigen Tagen empfohlen, die Verschreibungspflicht für das Präparat aufzuheben. Bereits 2010 hatte sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) für die Freigabe ausgesprochen. Auch der Bundesrat hat dies bereits gefordert. In der EU halten nur Deutschland, Italien und Polen am Rezept fest.

Gröhe setzt auf Beratungsgespräch

Gröhe hatte in der Welt am Sonntag darauf hingewiesen, dass der Wirkstoff der Pille in Einzelfällen auch schwerere Nebenwirkungen habe könne. "Und wir können in Deutschland eine zügige ärztliche Beratung ermöglichen – meist innerhalb weniger Stunden", fügte er hinzu. Die Verschreibung ermögliche ein Beratungsgespräch, das in der vertraulichen Atmosphäre einer Praxis erfolge und der Schweigepflicht unterliege.

Die Linksfraktion argumentiert in ihrem Antrag, das Präparat könne vor allem jungen Frauen helfen, ungewollte Schwangerschaften oder Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern. Voraussetzung dafür sei die rechtzeitige Einnahme, die ohne Arztbesuch eher zu gewährleisten sei. Zudem werde damit Frauen in ländlichen Regionen oder Frauen, für die der Arztbesuch eine große Hürde darstelle, der Zugang zu einer Notfallverhütung erleichtert. 

Die Oppositionsfraktionen wollen mit ihren Anträgen dafür sorgen, dass die Krankenkassen die Kosten für das Präparat auch künftig übernehmen können. Bei frei verkäuflichen Arzneimitteln ist dies grundsätzlich nicht der Fall.  

Donum Vitae NRW widerspricht Bischöfen

Anders als die katholischen Bischöfe spricht sich die katholische Schwangerschaftsberatungsorganisation Donum Vitae NRW für eine rezeptfreie Abgabe der Pille danach aus.  Die bestehende Rezeptpflicht stelle "eine unnötige Hürde für eine rasche Anwendung dar", heißt es in einer Stellungnahme der Organisation, über die der Kölner Stadt-Anzeiger berichtet.

Die Aufhebung der Rezeptpflicht sei "keine medizinische, sondern eine ethisch-moralische Frage", argumentiert die Donum-Vitae-Landesvorsitzende, die frühere Staatssekretärin und Bundestagsabgeordnete Ursula Heinen-Esser (CDU) in dem Papier. Im Vordergrund  stehe die Frage, wie Frauen und Mädchen nach einem spontanen ungeschützten Geschlechtsverkehr oder einer Verhütungspanne schnell und sicher geholfen werden könne.