In den Ermittlungen gegen Sebastian Edathy gibt es weitere Ungereimtheiten. Wie jetzt bekannt geworden ist, hat der SPD-Politiker vergangene Woche seinen dienstlichen Laptop beim Bundestag als gestohlen melden lassen. Parlamentssprecher Ernst Hebeker bestätigte einen entsprechenden Bericht des stern. Die Diebstahlsmeldung sei am 12. Februar per Fax bei der Bundestagsverwaltung eingegangen. Durch wen Edathy diese Information an die Bundestagsverwaltung gegeben habe, sei "nicht verifizierbar", sagte Hebeker. 

Ob diese Information an die Staatsanwaltschaft Hannover weitergeleitet worden sei, die wegen des Verdachts auf Besitz von Kinderpornografie gegen Edathy ermittelt, konnte Hebeker ebenfalls nicht sagen. Die Ermittlungsbehörde bestreitet, davon in Kenntnis gesetzt worden zu sein: "Das war uns bisher nicht bekannt", sagte Sprecherin Kathrin Söfker dem stern. Man nehme das mit Verwunderung auf. Edathys Anwalt Christian Noll beantwortete eine Anfrage des Magazins nicht.

Weitere Widersprüche gibt es in der Frage, wann und wie der SPD-Politiker von den Vorwürfen erfahren hat. Entgegen seinen Angaben soll Edathy doch einen Informanten gehabt haben. Das sagte der frühere niedersächsische Innenminister Heiner Bartling (SPD). Bei einem Telefongespräch habe Edathy vergangene Woche "zum Ausdruck gebracht, dass er gerüchteweise etwas gehört hätte, und zwar von irgendwelchen Informanten, also insbesondere nicht von irgendwelchen Amtsträgern, sondern von Leuten, die das ihm mitgeteilt hätten, als Gerücht", sagte Bartling dem NDR.

Gabriel will Edathy aus der SPD ausschließen lassen

Sebastian Edathy droht unterdessen wegen des Verdachts der Kinderpornografie der Ausschluss aus der SPD. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel strebt nach Informationen von Spiegel Online ein Parteiordnungsverfahren gegen Edathy an. Ein solches kann mit einem Parteiausschluss enden. Der Parteivorstand beschloss bereits die SPD-Mitgliedsrechte Edathys auszusetzen: "Es gab heute einen Vorstandsbeschluss: Dabei wurde das Ruhen aller Mitgliedsrechte von Sebastian Edathy angeordnet", sagte eine SPD-Sprecherin. 

Gabriel hatte sich nach der Sitzung des SPD-Vorstands bereits deutlich von Edathy distanziert. "Unabhängig von strafrechtlicher Relevanz" sei seine Partei "fassungslos" über das Verhalten. Das Bestellen von Bildern unbekleideter Jugendlicher sei "unvereinbar mit der Mitgliedschaft im Deutschen Bundestag und passt nicht zur sozialdemokratischen Partei Deutschlands", sagte Gabriel.

Der SPD-Chef selbst will dem Bericht zufolge Edathy aus der Partei werfen. In der Sitzung des Präsidiums habe er nach Teilnehmerangaben für entsprechende Schritte geworben und viel Zuspruch erhalten.

Gegen Edathy ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover wegen Besitzes kinderpornografischen Materials; Büros und seine Wohnung wurden durchsucht. Strafrechtlich relevante Unterlagen liegen der Behörde nach eigenen Angaben bislang allerdings nicht vor.