Die Verwandtenaffäre ist für die bayerische Staatsregierung noch nicht durchgestanden: Nachdem SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher und weitere SPD-Parlamentarier im vergangenen Jahr Verfassungsklage eingereicht haben, soll es nach Informationen der Süddeutschen Zeitung am 27. März vor dem Bayerischen Verfassungsgerichtshof zu einem Prozess kommen.  

Die SPD-Politiker fordern, dass in der Affäre weitere Details wie Bruttogehälter, Jahresprämien und genaue Aufgabenbeschreibungen für die beschäftigten Verwandten von CSU-Politikern veröffentlicht werden. "Das Ergebnis könnte sein, dass die in die Affäre verstrickten Minister komplett alles offenlegen müssten," sagte Rinderspacher der Süddeutschen Zeitung. Die Öffentlichkeit habe ein Recht darauf zu erfahren, inwieweit Regierungsmitglieder Familienangehörige beschäftigt und auf Staatskosten bezahlt haben.

Im Zuge der sogenannten Amigo-Affäre bei der CSU hatte Landtagspräsidentin Barbara Stamm im Mai 2013 eine Liste mit allen in die Affäre verwickelten Abgeordneten veröffentlicht. Demnach hatten acht amtierende und ehemalige CSU-Minister und Staatssekretäre seit dem Jahr 2000 Familienmitglieder in ihren Büros beschäftigt. Insgesamt standen damals 79 Abgeordnete von fast allen Fraktionen auf der Liste.

Auch 21 Sozialdemokraten hatten Familienmitglieder ersten Grades eingestellt, darunter die frühere SPD-Landesvorsitzende Renate Schmidt.

Gegen den ehemaligen CSU-Fraktionschef Georg Schmid, der jahrelang seine Frau als Scheinselbstständige beschäftigt haben soll, laufen nach wie vor Ermittlungen. Der Landtag hat mittlerweile das bayrische Abgeordnetengesetz verschärft und die Beschäftigung von Verwandten bis zum vierten Grade verboten.