Zuerst wollten sie den Deutschen das Fleisch wegnehmen. Jetzt kam auch noch das Feierabendbier dazu. Die Grünen, kleinste Oppositionspartei im Bundestag, haben es mal wieder in die Schlagzeilen geschafft.  Doch ob die Mini-Opposition mit der Null-Promille-Grenze tatsächlich ein gutes Profilierungsthema gefunden hat – nachdem sie hundert GroKo-Tage lang recht wenig beachtet worden war?

Gesprächsstoff immerhin, das birgt das absolute Alkoholverbot für Autofahrer, das der für das Thema zuständige Bundestagsabgeordnete Stephan Kühn dieser Tage gefordert hat. "Wir haben eine klare gesellschaftliche Akzeptanz für null Promille", prophezeite er der Saarbrücker Zeitung. Kühn, Mann der Tat, wollte sogleich Fakten schaffen: Noch vor der Sommerpause würde seine Partei einen Antrag zur Änderung des entsprechenden Gesetzes stellen. Bisher gelten 0,5 Promille als Grenze. Nur Fahranfänger müssen bis zu ihrem 21. Geburtstag stocknüchtern bleiben.

Kühns Problem allerdings: Sein öffentlichkeitswirksamer Vorstoß kam in der eigenen Partei nicht so gut an – aus Imagegründen. In der Grünen-Spitze griffen sie sich vielmehr gemeinsam seufzend an den Kopf. Seit der verlorenen Bundestagswahl haben grüne Strategen mit einigem Denk- und Grübel-Aufwand daran gearbeitet, die gesellschaftliche Wahrnehmung  als spaßbefreite Verbotspartei– die auch als Grund der Wahlniederlage angeführt wird – zu ändern. Bald soll es einen Freiheitskongress geben; weltoffen, cool und pragmatisch-hemdsärmelig, das wollen die Grünen der Zukunft sein. 

Zu leicht, sich schuldig zu machen

Dozierende Verbots-Asketen, spaßbefreite Vegetarier und autofeindliche Tempo-30-Erlahmer - so etwas soll der Vergangenheit angehören. Aus genau diesem Grund mahnten Spitzengrüne – ganz modern – bei Facebook vor der Promille-Diskussion: "Den Kampf verlieren wir wie die 'Veggie-Debatte' im Bundestagswahlkampf", schrieb die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke: "Lasst den Zeigefinger stecken."

Tatsächlich, einer hatte sich da schon besonders erbost aus dem Saarland zu Wort gemeldet. Allerdings offenbar unter Verkennung der ziemlich gesunden Veggie-Day-Debatte bei den Grünen. "Diese Forderung kann nur von Leuten kommen, für die Pommes mit Ketchup und Cola den Gipfel der Esskultur bedeuten", sagte der Fraktionschef der dortigen Linkspartei, Oskar Lafontaine. "Zur saarländischen Lebensart gehört aber ein gutes Essen mit einem frisch gezapften Bier." Die 0,5 Promille-Grenze habe sich bewährt und gehöre geschützt. Doch nicht nur der Regionalpolitiker der Linkspartei, auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) winkte ab.