"Die Mitnahme von Geschirr und Besteck in die Hafträume ist grundsätzlich verboten."

"Die Spülküche ist kein Aufenthaltsraum. Nichtbeachtung wird disziplinarrechtlich geahndet." 

"Badeschlappen und Hauspantoffeln nur im Haftraum und auf dem Weg zur Dusche und zurück. Sonst ist das Tragen wegen Unfallgefahr verboten."

"Ab Februar 2009 besteht bis auf weiteres die Möglichkeit, einmal im Monat Gebäck aus der Anstaltsbäckerei zu bestellen. Es gibt drei verschiedene Sorten."

Es gleicht einem radikalen Akt konkreter Poesie, all die Anordnungen, Vorschriften, Erlasse und Verfügungen, die hier die Wände bedecken und die Aushängekästen füllen, unkommentiert hintereinander zu stellen.  Schnell lässt sich zumindest ansatzweise ermessen, was es bedeutet, hier in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech Tage, Monate, gar Jahre verbringen zu müssen: Wer hier einsitzt, verliert nicht nur die Bewegungsfreiheit, sondern auch, ganz allgemein gesprochen, die Verfügungsgewalt über das eigene Leben. 

Beinahe jeder Atemzug wird diktiert in der kalten, leidenschaftslosen Sprache der bayerischen Justiz. Gefängnis ist nicht ohne Grund die schwerste Strafe, die der demokratische Rechtsstaat einem seiner Bürger auferlegen kann. Auf der anderen Seite ist genau diese Leidenschaftslosigkeit gegenüber dem Toben der ungezügelten Volkswut oder der Willkür des absoluten Herrschers eine der großartigsten Errungenschaften der Zivilisation.

Nur ein Schmuckstück

Doch solcherlei philosophische Gedanken dürften für Uli Hoeneß derzeit wohl keine Rolle spielen. Bald wird er in Landsberg seine dreieinhalbjährige Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung antreten. Für den bisher so unverschämt erfolgreichen ehemaligen Präsidenten des Fußballclubs FC Bayern München ist dies zweifellos ein schwerer Gang.

An diesem Montag hatten etwa 150 Journalisten Gelegenheit zu einer Art Vorbesichtigung jenes Ortes, der in ein paar Wochen zu seinem Lebensmittelpunkt werden wird. "Wir wurden von Anfragen geradezu überrollt", sagte die Leiterin der JVA Landsberg, Monika Groß, in der zum Pressezentrum umgebauten Anstalts-Turnhalle. In drei Gruppen werden die Medienvertreter durch das 1908 in Betrieb genommene Gefängnis geführt, sie können den Speisesaal begutachten – mit seinem kitschigen, von einem Häftling gemalten Wandgemälde –, sie können einen Blick in leere Zellen und die Anstaltskirche werfen und auf den großen, gepflegten Fußballplatz. Eines der beliebtesten Motive der Fotografen ist das Fußballtor nebst dem mit Stacheldraht bewehrten Zaun und einem Wachhäuschen im Hintergrund.

In ein paar Wochen wird Hoeneß zum Haftantritt "geladen", wie es im Juristendeutsch heißt. In Landsberg angekommen wird er seine persönliche Habe abgeben müssen, bis auf Ehering, Armbanduhr und, falls vorhanden, ein "persönliches Schmuckstück". Er wird, in Anstaltskleidung, zunächst in die Zugangsabteilung aufgenommen. In den Tagen darauf wird man versuchen, seine Persönlichkeit zu erforschen. Hoeneß wird Psychologen, Ärzten, Sozialarbeitern, Rechenschaft geben müssen, damit ein "Vollzugsplan" erstellt werden kann, der die weitere Haftzeit regelt. Dann kommt er ins Haupthaus, mit seinem zentralen, wehrhaften Turm, von dem sternförmig die Zellentrakte abgehen. Wie lange Hoeneß tatsächlich im geschlossenen Vollzug einsitzen muss, ist völlig offen. Er dürfte gute Chancen haben, schon nach ein paar Monaten als Freigänger eingestuft zu werden, zumal davon auszugehen ist, dass sich der Häftling mustergültig verhalten wird.