Als Angela Merkel am Donnerstagmorgen im Bundestag ans Rednerpult tritt, weiß sie, dass ihr diesmal nicht nur die Abgeordneten und die deutsche Öffentlichkeit zuhören. Diesmal richten sich die Blicke der ganzen Welt auf sie.

Zur Krim-Krise wird Merkel sprechen. Alle Hoffnungen auf eine einvernehmliche Lösung in diesem Konflikt verbinden sich in besonderer Weise mit ihrer Person. Nur Merkel könne es gelingen, den russischen Präsidenten doch noch einzufangen, der unter Missachtung des Völkerrechts seinen Einflussbereich auf die Krim ausdehnen will. So hieß es in der Vergangenheit immer wieder, nicht zuletzt aus den USA: Kein anderer Regierungschef kenne Wladimir Putin so gut wie Merkel.   

Ruhig aber klar

Sollte die deutsche Kanzlerin diese Erwartungen als Last empfinden, so ist es ihr zumindest nicht anzumerken. Der Ton, den sie anschlägt, ist ruhig. Aufgeregt oder gar empört möchte sie ganz offensichtlich nicht erscheinen. In der Sache ist Merkel dennoch ganz klar.

Russland stelle das Recht des Starken über die Stärke des Rechts und breche das Völkerrecht, sagt sie. Die territoriale Integrität der Ukraine stehe aber für die Bundesregierung nicht zur Debatte. Wenn Russland nicht einlenke, werde es zu Sanktionen kommen. Zu Konten- und Einreisesperren zunächst, dann aber auch zu Wirtschaftssanktionen. "Niemand wünscht sich, dass es dazu kommt. Aber wir alle wären bereit und entschlossen, falls sie unumgänglich wären", sagt die Kanzlerin.     

Auf der anderen Seite bemüht sich Merkel, Russland die Folgen seiner gegenwärtigen Politik vor Augen zu halten. In der globalisierten Welt könne sich niemand darauf beschränken, nur seine eigenen Interessen im Blick zu haben. "Wenn er es doch tut, schadet er sich selbst."

Kein Säbelrasseln

Es sind deutliche Worte, ohne jedes Säbelrasseln. Denn Merkel betont nicht nur immer wieder, wie sehr Russland Teil der internationalen Gemeinschaft sei, sondern eben auch, dass es keinen Krieg geben werde. "Mit militärischen Mitteln ist dieser Konflikt nicht zu lösen." 

Interessieren dürfte die internationale Öffentlichkeit vermutlich nicht nur, wie entschlossen Merkel gegen Russland vorgehen möchte, sondern auch, wie viel Unterstützung sie dabei in ihrem Parlament hat. Auch darauf gibt die Debatte Antwort: Der Konsens über das Vorgehen in der Ukraine-Krise ist im deutschen Bundestag riesig groß.   

Nichts mehr von Nörgeligkeit

Da ist zum einen natürlich der Koalitionspartner SPD. Zwischen Merkel und Frank-Walter Steinmeier passe derzeit kein Blatt, hieß es schon in früheren Medienberichten. Eine Beobachtung, die sich an diesem Donnerstag bestätigt. Ausdrücklich dankt Merkel ihrem Außenminister für seinen Verhandlungseinsatz. Und dieser Dank wird anschließend sogar von CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt wiederholt – trotz aller innenpolitischen Nörgeleien zwischen Union und SPD, die es in den vergangenen Wochen gab.

Auch in der Rede des SPD-Außenpolitikers Rolf Mützenich, der für seine Partei auf Merkel erwidert, findet sich kein Hauch einer Kritik an Merkel. "Die Bundeskanzlerin hat gesagt", "die Bundeskanzlerin hat darauf hingewiesen", sagt er stattdessen wiederholt und erntet dafür freundliches Nicken von Merkel. Die doppelte Strategie, Russland einerseits verbal in die Schranken zu weisen und andererseits nie die Bemühungen abreißen zu lassen, doch noch zu verhandeln, ist nun mal Konsens zwischen den Regierungspartnern.