Bundespräsident Joachim Gauck hat die anhaltenden Exzesse in der Bankenwelt kritisiert und hat ein größeres Verantwortungsbewusstsein der Spitzenmanager in der Finanzbranche gefordert. "Die Abkehr von Tugenden der sozialen Marktwirtschaft hat das Vertrauen der Bürger in die Banken erschüttert", sagte Gauck auf dem 20. Deutschen Bankentag in Berlin. "Und ehrlich gesagt: Angesichts mancher Exzesse verstehe ich das." 

Knapp sechs Jahre nach dem Höhepunkt der weltweiten Finanzkrise redete das Staatsoberhaupt den Bankern auf dem Kongress ins Gewissen. Gauck, der sich als Bundespräsident bislang kaum zur Finanzbranche geäußert hat, kritisierte vor allem falsche Anreize im Bonussystem, übersteigerte Gewinnansprüche und verantwortungsloses Verhalten zulasten Dritter. "Auch wo nicht gegen Recht und Gesetz verstoßen wurde, war manches Geschäft ethisch fragwürdig, manches Risiko unvertretbar hoch", sagte der Bundespräsident.

Gauck hält die notwendigen Reformen im Bankenwesen für "noch lange nicht abgeschlossen". Die Branche habe zwar aus Fehlern gelernt und befinde sich im Wandel. Über das Ausmaß der Bankenregulierung müsse aber weiter gerungen werden.

Angesichts einer Bilanzsumme von 30 Billionen Euro in der Euro-Zone hätten Banken eine besondere Verantwortung, weil über Geld Abhängigkeiten entstünden und Macht ausgeübt werde, sagte Gauck. Weltweit müssen sich Banken und Spitzenbanker juristisch wegen diverser Skandale verantworten, darunter auch die Deutsche Bank, an deren Spitze Jürgen Fitschen zusammen mit Anshu Jain steht.

Deutsche haben Vertrauen in Banken verloren

Fitschen ist Präsident des Bankenverbands, nach den mahnenden Worten räumte er Fehler der Branche ein. "Wir Banker wissen auch, dass wir in der Vergangenheit von den Freiheiten, die man uns eingeräumt hat, nicht immer verantwortungsvollen und weitsichtigen Gebrauch gemacht haben." Der Imageverlust der Banken ist bis heute nicht behoben, wie auch eine neue Umfrage der Unternehmensberatung Ernst & Young zeigt. Knapp vier von zehn deutschen Bankkunden geben demnach an, dass ihr Vertrauen in die Branche in den vergangenen zwölf Monaten gesunken sei. "Auf die Frage, wie die Finanzinstitute Vertrauen zurückgewinnen können, haben wir noch keine abschließende Antwort gefunden", sagte Fitschen, gegen den wegen des Verdachts auf Prozessbetrug ermittelt wird.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) appellierte an die Branche, gemeinsam mit der Regierung nach Lösungen zu suchen. Er versprach den Bankmanagern, alle weiteren Regulierungsschritte "im Dialog mit ihnen zu tun". Dabei sollten die Banken ihre Energie und Kompetenz aber nicht zu sehr nur in der Vertretung ihrer kurzfristigen Interessen und die Abwehr neuer Regulierung stecken. Vielmehr sollten "wir uns gemeinsam darum bemühen, eine optimale Finanzmarktordnung zustande zu bringen".

Gauck hält es aber auch für eine Pflicht der Bürger, sich zu informieren, damit sie sich an wirtschaftspolitischen Debatten beteiligen könnten. Wer persönliche Chancen nutzen und Risiken einschätzen wolle, "der muss sich informieren und in Finanzfragen kompetenter werden". Nicht nur politische, auch ökonomische Apathie und Unwissenheit seien gefährlich.