In der CSU sind viele Abgeordnete mit dem schlechten Abschneiden der Partei bei der Europawahl unzufrieden, einige machen ihrem Ärger öffentlich Luft. Der scheidende CSU-Europaabgeordnete Bernd Posselt kritisierte insbesondere die inhaltliche Annäherung an die euroskeptische AfD: "Man soll nie versuchen, das Stinktier zu überstinken", sagte er dem Münchner Merkur. Die CSU dürfe sich nicht in eine AfD light verwandeln.

"Wir müssen eine christlich-soziale, proeuropäische Partei sein", sagte Posselt. Dabei könne es auch Kritik an Fehlentwicklungen in Europa geben, aber das "Proeuropäische, das muss wieder deutlich werden."

Die CSU war bei der Wahl zum Europaparlament in Bayern von 48,1 Prozent im Jahr 2009 auf 40,5 Prozent abgerutscht. Es war ihr schlechtestes landesweites Ergebnis seit 60 Jahren. Die AfD hingegen erreichte bei der ersten Teilnahme an einer Europawahl 8,0 Prozent der Stimmen in Bayern. Posselt verfehlte als Sechstplatzierter der CSU-Liste seinen Wiedereinzug ins EU-Parlament knapp.

Die Niederlage der CSU ist selbst gemacht

Der frühere CSU-Parteichef Erwin Huber sprach von einem "katastrophalen Ergebnis". Der Passauer Neuen Presse sagte er: "Es ist auch nicht durch politische Gegner oder Unwetter verursacht: Die Niederlage ist selbst gemacht." Nach Ansicht von Huber gab es "zu viele Irritationen in der Europapolitik". Das "Ja, aber" der CSU zu Europa habe die Wähler nicht mobilisiert. "Man kann nicht mit eingebauten Bedenken überzeugen. Fragezeichen werden nicht gewählt", sagte der Ex-Parteichef.

Auch im CDU-Präsidium wurde nach einem Bericht der Bild der CSU-Wahlkampf kritisiert. Demnach sagte der CDU-Europaparlamentarier Herbert Reul in der Sitzung, es sei falsch gewesen, wie sich die CSU der AfD anzubiedern versucht habe. Mit Europakritik könne man keine Europawahl gewinnen. CDU-Chefin Angela Merkel wollte dagegen ausdrücklich keine Kritik an der CSU üben. Es habe viele Wahlen gegeben, bei denen die CDU der CSU für ihre super Ergebnisse dankbar gewesen sei, hatte sie am Montag nach den Gremiensitzungen ihrer Partei gesagt. "Wir als Union gewinnen und verlieren gemeinsam."