Als Horst Seehofer am Montagnachmittag vor die Presse tritt, wirkt er ziemlich erschöpft. Kein Wunder, gerade hat er eine lange Vorstandssitzung hinter sich, dreieinhalb Stunden, die, wie er selbst sagt, "sicher nicht zu den schönsten in meiner politischen Karriere gehören".

Am Sonntagabend hat die CSU bei der Europawahl in Bayern nur knapp über 40 Prozent geholt. Das ist das schlechteste Ergebnis, das sie bei landesweiten Wahlen in Bayern in den letzten 60 Jahren erzielt hat. Selbst bei dem Debakel von 2008, das die CSU damals die absolute Mehrheit kostete, hatte sie noch 43,4 Prozent erzielt. Im Vergleich zur Europawahl 2009 haben die Christsozialen acht Prozentpunkte verloren. Statt wie bisher acht schicken sie nun nur noch sechs Abgeordnete nach Brüssel.

Der Kontrast zu den Wahltriumphen vom vergangenen September könnte also kaum größer sein. Damals war Seehofer noch der strahlende Wahlsieger gewesen, der Mann, der der CSU ihre Ehre zurückgab. Bei der Landtagswahl holte er die absolute Mehrheit zurück, bei der Bundestagswahl zwei Wochen später erreichte die CSU 49,3 Prozent, das war ganz nahe an der magischen 50-Prozent-Marke. In Bayern schienen wieder "normale Verhältnisse" eingekehrt.  

Keine personellen Konsequenzen

Nun allerdings zeigt sich, dass dieser Trend nicht so stabil ist, wie mancher wohl gehofft hatte. Auch bei der Kommunalwahl im vergangenen März hatte die CSU schon einen Dämpfer hinnehmen müssen. Damals hatte sich Seehofer noch fürs Schönreden entschieden. Jetzt gibt er den Zerknirschten.

"Ich übernehme die Verantwortung für dieses Wahlergebnis", wiederholt er seit dem Wahlabend immer wieder. Es sei nun wichtig, mit dem Ergebnis ehrlich umzugehen, betont er. Eines macht er allerdings am Montag auch gleich deutlich: Personelle Konsequenzen soll das Wahldebakel nicht haben, weder für ihn noch für seinen Generalsekretär Andreas Scheuer, der erst seit einem halben Jahr im Amt ist.

Auch Eurokritiker Peter Gauweiler, der im Wahlkampf eine herausgehobene Rolle spielte, muss demnach nicht um seinen Posten als CSU-Vize fürchten, den er erst im vergangenen November – nach langen Jahren des Außenseitertums in der Partei – erobert hatte.

"Flucht ist kein anständiger Umgang", sagt Seehofer. Er habe immer angekündigt, dass er bis 2018 Ministerpräsident bleiben wolle. "Da stehe ich bei der Bevölkerung im Wort." 2015 werde er sich deswegen erneut als CSU-Chef zur Wahl stellen, sagt er.  

Schwache Nachfolge-Kandidaten

Sitzungsteilnehmer berichten allerdings, personelle Konsequenzen seien ohnehin von niemandem gefordert worden. Auch dass der Streit um die Seehofer-Nachfolge in der Partei nun losbrechen könnte, wird nicht erwartet.

Das liegt vor allem an der Schwäche der potenziellen Kronprinzen. Die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt müssten in ihren Ämtern erst noch Erfolge vorweisen, heißt es. Auch der bayerische Finanzminister Markus Söder könne die Mehrheitsverhältnisse wohl "realistisch einschätzen". Immerhin: Das Argument, dass die CSU nur mit ihm gute Wahlergebnisse erzielt, wird Seehofer gegen seine Nachfolgekandidaten künftig nicht mehr einsetzen können.

Die inhaltliche Kritik an der Seehoferschen Doppelstrategie bei der Europawahl – leises "ja", lautes "aber" – fällt für CSU-Verhältnisse dann aber doch deutlich aus. Im Vorstand sei einhellig die Meinung geäußert worden, dass die Erfolge der Europapolitik im Wahlkampf zu kurz gekommen seien, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Abgeordneten im Bundestag, Max Straubinger, ZEIT ONLINE. Der Spagat zwischen Europakritik und Europabefürwortung sei diesmal zu groß gewesen.