Jetzt kann er ganz offiziell "Inhalte überwinden". Martin Sonneborn, Vorsitzender von DIE PARTEI hat doch tatsächlich einen Sitz im Europaparlament errungen. Beim Wähler punktete die Satirepartei offenbar mit Parolen wie "Nein zum EU-Norm-Penis" und "Schwarzfahren muss bezahlbar bleiben". Jetzt will Sonneborn sein Abgeordnetenmandat schleunigst wieder loswerden – das parteiinterne Rotationsprinzip verlange dies, erzählt der ehemalige Chefredakteur der Satire-Zeitschrift Titanic jedem, der es hören will. 

Das Prinzip basiere ganz auf Eigennutz: "Wir werden versuchen, monatlich zurückzutreten, um 60 Parteimitglieder durchzuschleusen durch das EU-Parlament. Das heißt, dass jedes dieser Mitglieder einmal für 33.000 Euro im Monat sich Brüssel anschauen kann und dann zurücktritt und noch sechs Monate lang Übergangsgelder bezieht. Wir melken also die EU wie ein kleiner südeuropäischer Staat", sagte Sonneborn. 

Tatsächlich bekommt jeder EU-Abgeordnete derzeit eine Diät von monatlich 8.200 Euro brutto, außerdem eine Kostenpauschale von rund 4.299 Euro und zudem eine Pauschale von 21.000 Euro für die Büro-Ausstattung.

Grundsätzlich dürfte dem radikalen Rotationsprinzip der PARTEI erst einmal nichts entgegenstehen. Das Europaparlament wird über Listen gewählt, tritt der Anführer der Liste zurück – Sonneborn – kommt der Zweitplatzierte zum Zug. Auf der Partei-Liste stehen 71 Mitglieder. Damit dürfte es auch kein Problem geben, besagte 60 Abgeordnete durchzuschleusen.

Allerdings könnte das Abgeordnetenstatut des Europäischen Parlaments Sonneborn einen Strich durch die Rechnung machen. Darin steht, dass "Vereinbarungen über die Niederlegung des Mandats vor Ablauf (..) einer Wahlperiode" nichtig seien.