Den Begriff Trümmerfrau mag sie nicht. "Wolfgang Kubicki kam ja damit an, ich sei die Trümmerfrau Da hab ich gesagt: Ich hoffe, ich sehe nicht wie eine aus." Marie-Agnes Strack-Zimmermann lacht. Die neue Vizevorsitzende der FDP hat zwar einen ziemlich komplizierten Namen, aber klare Worte für die Partei, die sie da jetzt in Zeiten des Wiederaufbaus in eine Führungsposition gehievt hat. "Die FDP hat es jahrelang versäumt, Frauen an sich zu binden."

Die Liberalen sind ein traditioneller Männerverein. Der Anteil der weiblichen Mitglieder liegt bei 23 Prozent. Von denen, die seit der Niederlage bei der Bundestagswahl in die FDP eingetreten sind, sind es sogar nur 22 Prozent. In der aufgelösten Bundestagsfraktion gab es wenige weibliche Abgeordnete. Schlimmer ist die Situation lediglich bei der CSU.

In diesen Tagen verkündet die FDP den Neuanfang, sie sucht ihn auch bei den Frauen. Drei Politikerinnen hat der neue Parteichef Christian Lindner auserkoren, um seine guten Absichten zu unterstreichen. Strack-Zimmermann gehört dazu, außerdem sollen Generalsekretärin Nicola Beer und die Hamburgerin Katja Suding das Image der Männerpartei verbessern.

Auf der Suche nach der weiblichen Lebenswelt

Es ist wieder einmal Parteitag, diesmal in Dresden. Strack-Zimmermann sitzt vor der Halle in der Sonne, beim Bratwurststand. Seit Dezember ist die 56-Jährige stellvertretende Parteichefin. Neben ihr gibt es noch zwei männliche Vize-Vorsitzende. Diese Quote ist nicht  neu, es gab sie schon früher im FDP-Präsidium

Strack-Zimmermanns Auftritt ist der einer kultivierten Dame: marinefarbener Anzug, weißer Bürstenhaarschnitt, wache Augen. Umso mehr überrascht ihr  schonungsloses Urteil: "Machen wir uns nichts vor, wir leben in einer chauvinistischen Gesellschaft." Pause. "Aber ich sitze nicht da und weine, ich will die Frauen stärken."    

Das ist ungewöhnlich für die FDP. Liberale Frauen (und Männer) haben sich bisher gern eingebildet, sie hätten eigentlich kein Problem. Quotierte oder sonstige fixe Gegenmaßnahmen sind der FDP ein natürlicher Graus. Wer gut ist, schafft es als Frau schon allein nach oben. Diskriminiert wird in einer liberalen Partei sowieso niemand.

Auch bei den Jungen Liberalen sind solche Argumente Konsens. Die wenigen weiblichen Mitglieder der Jungorganisation vertreten sie mit Inbrunst. Erstaunlicherweise erzählen sie im gleichen Atemzug, dass sie sich oft ärgern, weil die Männer in den Sitzungen immer den Ton angeben, auch wenn sie weniger Ahnung vom Thema haben. Und dann, berichtet die Landesvorsitzende der Jungen Liberalen in Brandenburg, Diana Flemming, ende das Ganze so: Die jungen weiblichen Liberalen zählten die Gremienwahl aus, während der neue Kreis-Vorstand ausschließlich männlich besetzt sei. "Eine Frau muss immer härter kämpfen", sagt die 24-Jährige – und bekommt sofort Widerspruch von ihren Mitstreiterinnen.      

"Der einzige frauenpolitische Ansatz der FDP der vergangenen Jahre war, dass wir gegen die gesetzliche Frauenquote sind", stellt der Vorsitzende der Jungen Liberalen, Konstantin Kuhle fest – ein Mann, wie bisher zwölf seiner 13 Vorgänger. Das sei irgendwie traurig. Ganz so weit wollen Strategen der Mutterpartei nicht gehen. Das neue, geflügelte Wort der FDP-Granden ist derzeit das von unterschiedlichen liberalen Lebenswelten, die natürlich in der Programmatik abgebildet seien, aber die man den Wählern in den vergangenen Jahren nicht habe verkaufen können. Zum Beispiel die Lebenswelt von Müttern, die sich vom Staat nicht bevormunden lassen wollten.