Am Samstagmittag stemmen die Spitzen der Thüringer Linkspartei eine riesige Hantel in die Luft des Berliner Parteitags. Vor der Landtagswahl im September sollte das "ein kraftvolles Zeichen" sein. Die Hantel wiegt aber zwanzig Kilo. Nur die Stange war massiv, die Gewichte waren aus Plastik. Übernommen hat die Linke sich bei diesem Parteitag bisher nicht.

Sie wollten vor allem: Ruhe. Am Samstagnachmittag, als Parteichefin Katja Kipping gerade eine weitere Rede beginnt, die niemandem in der Partei wehtut, hat Diether Dehm davon genug. Über Twitter erklärt der Bundestagsabgeordnete, der immer wieder mit selbst für die Linkspartei radikalen Positionen für Aufregung sorgt, nicht mehr im Parteivorstand mitarbeiten zu wollen: "Ruhe scheint Selbstzweck zu werden."

Ja, es ist ungewöhnlich friedlich und ruhig auf diesem Berliner Parteitag der Linkspartei. Aber diese Ruhe hat durchaus einen Zweck: Sie soll den Boden für politische Erfolge bereiten. Dass sie auf diese Art die lautesten Radikalen wie Dehm vergraulen – das dürfte die Parteiführung um Kipping eher freuen.

Vor zwei Jahren hat die Linke in Göttingen sich unter Ächzen von Oskar Lafontaine losgesagt. Im vergangenen Jahr haben sie über einen möglichen Euro-Austritt gestritten. In diesem Frühjahr bekamen sie sich – da spielte eben jener Diether Dehm eine zentrale Rolle – über ihr Verhältnis zur EU in die Haare. Jetzt soll endlich Schluss sein mit Streit und Flügelkonflikten. Das funktioniert – fast.

Nur 90 Minuten diskutiert die Partei über die Ukraine-Krise, die Europawahl und das umstrittene Freihandelsabkommen TTIP – über alles also, was aktuell die politischen Schlagzeilen dominiert. Die Debatte springt hin und her zwischen den Themen, und bevor sich Streitereien hochschaukeln können, ist es auch schon wieder vorbei. Die Inhalte stehen diesmal im Hintergrund. Die Basis murrt, spielt aber mit. Weite Teile scheinen noch erschöpft zu sein von den Konflikten der jüngsten Vergangenheit, sie sehnen sich nach Ruhe.

Stattdessen gönnen sie sich am Freitagabend sechs Stunden Satzungsdebatte. Es geht auch darum, Übergangsregelungen aus der Fusionszeit zwischen PDS und der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) zu ersetzen. Die Partei räumt auf, Frühjahrsputz bei den Linken.

In einer anderen Frage ist die Linkspartei offenbar nicht in der Lage, sich an die eigenen Forderungen zu halten. Sie setzt sich dafür ein, dass Parteien keine Unternehmensspenden annehmen dürfen. Doch ein entsprechender Antrag, der der Linkspartei selbst genau das verboten hätte, bekommt keine Mehrheit. "Das war ein dickes, fettes Eigentor", schimpft später die Bundestagsabgeordnete Halina Wawzyniak. Dabei will sie doch gegen den Gegner und nicht mehr gegen sich selbst spielen.