Zur Entscheidung der Präsidentschaftswahl in Litauen ist eine Stichwahl erforderlich. Amtsinhaberin Dalia Grybauskaite erhielt im ersten Durchgang am Sonntag nach offiziellen Angaben 46,4 Prozent der Stimmen und verpasste damit die erforderliche absolute Mehrheit der abgegeben Stimmen. Die 58-jährige Grybauskaite trifft in der Stichwahl am 25. Mai auf den Sozialdemokraten Zigmantas Balcytis, der auf 13,9 Prozent der Stimmen kam.

Die Wahlbeteiligung lag bei 52 Prozent. Grybauskaite zog bei ihrer ersten Wahl vor fünf Jahren mit einem Stimmenanteil von fast 70 Prozent triumphal ins Präsidentenamt ein. Vor der Wahl vom Sonntag machte sie vor allem mit markigen Worten zur Ukraine-Krise von sich reden. Sie warf Moskau "imperiale Ambitionen" vor und erklärte sich im Wahlkampf entschlossen, eigenhändig "zu den Waffen zu greifen", wenn die nationale Sicherheit auf dem Spiel stehe.

"Wir müssen einen Dialog mit Russland führen", sagte dagegen der Sozialdemokrat Balcytis. "Jede Art von Frieden ist einem Krieg vorzuziehen." Wer für die nächsten fünf Jahre das höchste Staatsamt in dem Land bekleidet, entscheidet nun eine Stichwahl zwischen Grybauskaite und Balcytis parallel zur Europawahl am 25. Mai. Dabei gilt die Wiederwahl der parteilosen Politikerin nach Ansicht von Kommentatoren als nahezu sicher.

Grybauskaites strikte Sparpolitik

Die Amtsinhaberin Grybauskaite, die neben Litauisch auch Englisch, Russisch, Polnisch und Französisch spricht, wird wegen ihres resoluten Auftretens und ihres Einsatzes für eine strikte Sparpolitik während der Finanzkrise gerne mit der früheren britischen Premierministerin Margaret Thatcher verglichen.

Grybauskaite studierte zu Sowjetzeiten an der Universität von Leningrad politische Ökonomie und arbeitete daneben in einer Pelzfabrik. Später unterrichtete die promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin an einer Hochschule der Kommunistischen Partei in Vilnius. Nach der Unabhängigkeit ihres Landes wurde sie nach Brüssel, später in Litauens Botschaft in die USA entsandt. Es folgten Stationen als Vizefinanzministerin und Vizeaußenministerin, bevor sie im Jahr 2001 zur Finanzministerin ernannt wurde.

Als Litauen der Europäischen Union beitrat, wurde Grybauskaite im Jahr 2004 die erste EU-Kommissarin ihres Landes. Zuständig war sie bis zu ihrer Wahl ins Präsidentenamt im Mai 2009 für Haushalt und Finanzplanung – und bekam dafür gute Noten. Im Jahr 2005 wurde sie zur Kommissarin des Jahres gekürt.