Wenn es nach den Verkehrspolitikern der großen Koalition geht, müssen Schwarzfahrer bald mit höheren Strafen rechnen: Nach Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) fordern auch die zuständigen Fachpolitiker aus der SPD und der Unionsfraktion im Bundestag eine Anhebung der Geldbußen.

Derzeit werden 40 Euro fällig, wenn Kontrolleure einen Fahrgast ohne Ticket erwischen. Künftig sollen es nach dem Willen der Koalitionspolitiker 60 Euro sein. "Die bisherige Geldbuße von 40 Euro deckt nicht einmal die Kosten für die Kontrollen gegen Schwarzfahren",  sagte die verkehrspolitische Sprecherin der SPD im Bundestag, Kirsten Lühmann, in der Mittwochsausgabe der Bild-Zeitung. Zustimmung für höhere Strafen kommt laut dem Bericht auch vom verkehrspolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Ulrich Lange. Das sei "eine Frage der Gerechtigkeit gegenüber denen, die ehrlich zahlen".

Angestoßen wurde die Debatte vom Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Die Interessenvertretung der Nahverkehrsbetriebe beklagt, dass jedes Jahr durch das Schwarzfahren potenzielle Einnahmen von 250 Millionen Euro verloren gehen. Außerdem müssen die Verkehrsbetriebe laut VDV jährlich 100 Millionen Euro für den Einsatz von Kontrolleuren ausgeben. VDV-Präsident Jürgen Fenske spricht sich bereits seit langem für eine Anhebung des Bußgeldes von 40 auf 60 Euro aus.

Dobrindt beklagt steigende Unfairness

Bei der Jahrestagung des VDV bekam Fenske am Dienstag Unterstützung seitens der Bundesregierung. Verkehrsminister Dobrindt zeigte sich offen für den Vorschlag. Es sollte darauf reagiert werden, dass mehr Unfairness in diesem Bereich stattfinde, sagte der CSU-Politiker. Die Verkehrsanbieter würden zu Recht auf Verluste durch das Schwarzfahren hinweisen. Er ermunterte die Bundesländer, eine entsprechende Initiative zur Erhöhung der Bußgelder im Bundesrat zu ergreifen.

Um seiner Forderung nach höheren Bußgeldern Nachdruck zu verleihen, veröffentlichte der VDV vergangenes Jahr eine Untersuchung über die Strafen für Schwarzfahrer im europäischen Vergleich. In den Nachbarländern fallen sie zum Teil um ein Vielfaches höher aus als hierzulande: In Luxemburg und in der Schweiz kostet es bis zu 160 Euro, wenn man ohne Ticket erwischt wird. In Frankreich werden maximal 180 Euro fällig. Spitzenreiter war Belgien mit einer Strafe, die bis zu 200 Euro erreichen kann.

Geldbußen, die über den aktuell diskutierten 60 Euro liegen, sind aus Sicht des CDU-Verkehrspolitikers Thomas Jarzombek auch in Deutschland möglich. Bemessungsgrundlage soll seiner Meinung nach der Preis für ein Monatsticket sein, schreibt die Bild-Zeitung. In Berlin liegen die Kosten dafür bei knapp 80 Euro.