Michael Grosse-Brömer gab sich ganz sicher: "Es wird keine politische Zusammenarbeit mit der AfD geben", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag am Dienstagmorgen beim traditionellen Frühstück mit Journalisten. Alle relevanten Gremien der Union seien dieser Meinung, sagte Grosse-Brömer – auch auf mehrere Nachfragen hin blieb er hart: Es gebe klare Aussagen der Kanzlerin, vom CDU-Bundesvorstand und auch von den Landesvorsitzenden der CDU in dieser Frage. Und somit keinen weiteren Diskussionsbedarf. Die AfD wird ignoriert. Basta.  

Doch Grosse-Brömer irrt. Die Debatte innerhalb der Union über den Umgang mit der AfD hat gerade erst begonnen. Mit Sorge hat nicht nur die Parteispitze registriert, wie stark die Alternative für Deutschland bei der Europawahl abgeschnitten hat. Die Christdemokraten haben rund 500.000 Wähler-Stimmen an die AfD verloren. Hinzukommt, dass viele Funktionäre und Mitglieder der AfD Ex-Christdemokraten sind. Somit ist die Partei nicht nur in der Wählergunst, sondern auch personell ein Stück Fleisch vom Fleische der Union.

Dass der Höhenflug der Euro-Gegner bald endet, steht nicht unbedingt zu erwarten. In Sachsen, wo Ende August als Nächstes gewählt wird, kommt sie in den jüngsten Umfragen auf sechs bis sieben Prozent. Bei der Europawahl erzielte sie hier sogar ein zweistelliges Resultat. Die CDU kann zwar darauf vertrauen, dass sie wieder stärkste Kraft wird, doch mit der schwächelnden FDP bricht ihr recht wahrscheinlich der aktuelle Koalitionspartner weg.  

Keine harte Abgrenzung in Sachsen

Auch im CDU-geführten Thüringen, wo im September gewählt wird, könnte die AfD den Landtagseinzug packen. Auch hier sucht Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht nach Alternativen zum bisherigen Koalitionspartner SPD, mit dem es so viel Streit gab. Ähnliches könnte auch in Brandenburg passieren, wo allerdings der amtierenden SPD-Regierung gute Chancen auf die Wiederwahl eingeräumt werden.

Die Wahlkämpfer in Ostdeutschland können die AfD daher nicht so einfach ignorieren. Hier ist ein deutliches Kopfschütteln über diese Festlegung aus Berlin zu vernehmen. Die Bundespartei habe leicht reden, sagen Strategen, sie sei nun mal nicht im Wahlkampf. Am Dienstag – nur Stunden nach Grosse-Brömers Festlegung – gab der Fraktionsvorsitzende der sächsischen CDU, Steffen Flath, dem Deutschlandfunk ein Interview. Seine Partei, sagte er, solle die AfD nicht dämonisieren, sondern deren Wähler "ernst nehmen". Schließlich hätten sie zum Teil der eigenen Partei den Rücken zugewandt – und das habe ja auch Gründe. Flath, der zu den konservativen Kräften in der Union zählt,  wollte eine mögliche Koalition in Sachsen mit den Euro-Gegnern in dem Gespräch zwar nicht herbeireden, aber partout nicht ausschließen. Das ist auch Position der gesamten Landespartei, wie ein CDU-Sprecher versichert.

Flath sieht es so: Es gebe eine Vielzahl von Koalitionsoptionen, auch eine absolute Mehrheit für die CDU sei in Sachsen denkbar. Die CDU werde aus "historischen Gründen" niemals mit der Linkspartei und niemals mit der NPD zusammengehen, sagte der sächsische Politiker. Alles andere, so Flath, werde sich aber am Abend der Landtagswahl entscheiden. Auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hatte sich zuletzt eher zurückhaltende geäußert. "Ich habe kein Interesse, mit einer Partei zusammen zu arbeiten, von der ich nicht weiß, wo sie programmatisch steht", sagte Tillich dem Spiegel. Eine Abgrenzung könnte man auch noch kategorischer formulieren. 

Sein Fraktionschef Flath jedenfalls ist durchaus bereit, sich mit AfD-Kandidaten im Wahlkampf inhaltlich auseinanderzusetzen und so vielleicht auch den ein oder anderen verloren gegangenen CDU-Wähler zurückzuholen, wie er im Deutschlandfunk sagte.