Ex-Bundespräsident Christian Wulff kritisiert in seinem autobiografischen Buch Ganz oben Ganz unten den Umgang von Justiz und Medien mit ihm. Sie hätten gegen das Prinzip der Gewaltenteilung verstoßen, sagte Wulff bei der Vorstellung des Buches. Darin liege eine ernste Gefahr für die Demokratie in Deutschland. "Mein Fall darf sich in der Bundesrepublik nicht wiederholen", sagte Wulff.

So habe sich die Staatsanwaltschaft Hannover hochproblematisch verhalten, indem sie "unter dem Druck der veröffentlichten Meinung meinte, handeln zu müssen", sagte Wulff. Die Ermittler hätten sein "Leben durchwühlt" und dafür keinen Aufwand gescheut. Die an diesem Donnerstag auslaufende Frist für eine Revision nach dem Freispruch schöpfe sie bis zum allerletzten Tag aus. Gegenüber den Medien kritisierte er insbesondere deren "Jagdfieber" und "zerstörerische Häme" und forderte "mehr Respekt und mehr Wohlwollen".

Wulff sagte weiter, er habe sich stets rechtlich korrekt verhalten. Sein Freispruch sei auch ohne Wenn und Aber erfolgt. Jedoch räumte er ein, Fehler gemacht zu haben, darunter den Urlaub als Bundespräsident bei befreundeten Unternehmern sowie das Hinterlassen der inzwischen berühmten Nachricht auf der Mailbox des Bild-Chefredakteurs Kai Diekmann im Verlauf der Affäre. Sein Buch sei keine "Rechtfertigungsschrift", sagte Wulff. Aber die "Wiederherstellung meiner Ehre ist mir nicht gleichgültig".

"Ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt"

Er sei heute davon überzeugt, dass sein Rücktritt 2012 falsch war. "Ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt", sagte Wulff. Auf Nachfrage der Journalisten erklärte er: "Hätte die Staatsanwalt korrekt gehandelt in Hannover und die Aufhebung der Immunität nicht beantragt, wäre ich noch im Amt. Der Rücktritt war richtig." Denn von einem Bundespräsident gehe besondere moralische Autorität aus. Er könne ein solches Verfahren nicht einfach abwarten. Das sei der Staatsanwaltschaft in Hannover völlig bewusst gewesen.

Seine Autobiografie will er aber nicht als Abrechnung verstanden wissen: "Ich schildere, wie sich die Affäre aus meiner Sicht darstellt." Gleichzeitig wolle er nun einen Neuanfang wagen: "Ich kann ab heute, sozusagen, freier als je zuvor die Zukunft annehmen und gestalten", sagte er.

Wulff war am 17. Februar 2012 nach 598 Tagen infolge der Affäre um die angebliche Annahme von Vorteilen als bislang jüngster Bundespräsident zurückgetreten. Das Landgericht Hannover hatte den heute 54-Jährigen Ende Februar vom Vorwurf der Vorteilsnahme in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident freigesprochen.