SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi lehnt ein Regierungsbündnis mit der Linken ab. Der Abstand zwischen beiden Parteien habe sich zuletzt eher vergrößert als verringert, sagte Fahimi dem Tagesspiegel. "Im Bund möchte die Linkspartei nicht gestalten, sondern fühlt sich wohl in der Fundamentalopposition." Fahimi warf der Linken vor, sie gefalle sich in einer völlig unkritischen prorussischen Haltung in der Ukraine-Krise, die an Nibelungentreue erinnere.

Zur Kritik des Brandenburger Linken Norbert Müller an Bundespräsident Joachim Gauck sagte Fahimi: "Die Äußerung ist unsäglich, vergiftet das politische Klima und nährt Zweifel, ob die Linkspartei bereit ist, Verantwortung für dieses Land zu übernehmen." Müller hatte Gauck als "widerlichen Kriegshetzer" bezeichnet.

Auch SPD-Chef Sigmar Gabriel hat ein rot-rot-grünes Bündnis im Bund ausgeschlossen. "Die Linkspartei vertritt Positionen, die Deutschland in die außenpolitische und übrigens auch wirtschaftliche Isolation führen", sagte Gabriel dem Focus. "Deshalb kann gegenwärtig kein Sozialdemokrat mit der Linkspartei auf Bundesebene eine Koalition bilden." Es liege an der Linkspartei, das zu ändern.

Gabriel verteidigte aber sein Treffen mit den Linken-Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger: "Es ist für mich ein Akt der Höflichkeit, mit den Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien zu sprechen." Der SPD-Chef hatte Kipping und Riexinger am 2. Juni erstmals zu einem Gespräch getroffen, wie erst vor einigen Tagen bekannt wurde. Über den Inhalt war Stillschweigen vereinbart.

Ramelow fordert "Diskurs über Friedenspolitik"

Der Linken-Politiker Bodo Ramelow, der in Thüringen Ministerpräsident einer rot-roten Regierung werden könnte, kritisierte die SPD im Deutschlandfunk bei den Themen Bundeswehr-Einsätze und Waffenexporte: "Im Bund ist doch die Voraussetzung, um miteinander koalieren zu können, auch ein Diskurs über Friedenspolitik." Die Linke werde gegen Grüne und SPD "stur auf dem beharren, für was die DDR-Friedensbewegung mal stand".

In Thüringen hält Ramelow eine Koalition nach der Landtagswahl am 14. September für denkbar: Es laufe darauf hinaus, "dass eine Ablösung dieser Skandalregierung der CDU nur möglich ist, wenn Die Linke und die SPD gemeinsam Verantwortung übernehmen, und zwar landespolitische Verantwortung". Die Linke liegt in einer Infratest-Test-Umfrage vom Mai bei 28 Prozent der Stimmen, die SPD bei 19, die CDU bei 36.