Wenn im Bundestag ein Abgeordneter ans Rednerpult tritt und dann ausführlich über "Generationengerechtigkeit" redet, ist auch ohne Namensschild schnell klar, zu welcher Partei er gehört: Zu den Grünen. Die Regierungsparteien meiden dieses Thema.

Die SPD fand schon immer den Ausgleich zwischen Armen und Reichen wichtiger als den zwischen Jungen und Alten. Die Union, wo viele in der Sache ähnlich denken wie die Grünen, hat gerade mit ihrem sozialdemokratischen Koalitionspartner eine 160 Milliarden Euro teure Rentenreform verabschiedet, die vor allem den Alten nützt. Der Linkspartei wiederum geht selbst diese Reform nicht weit genug, sie würde die Renten am liebsten noch weiter erhöhen.

Die Grünen haben das Generationen-Thema während der rot-grünen Regierungsjahre für sich entdeckt. Seitdem haben sie allerdings erstaunlich wenig an ihren Vorstellungen korrigiert. Eine Ökopartei müsse die Interessen künftiger Generationen nicht nur in der Umwelt- sondern auch in der Finanzpolitik vertreten, hieß es. Die Staatsverschuldung nach oben zu treiben war nach dieser Logik ungefähr so verantwortungsvoll wie im Winter bei aufgedrehter Heizung und offenem Fenster zu schlafen oder einen kaputten Kühlschrank im Wald abzuladen. Damals senkte der Sozialdemokrat Hans Eichel die Steuern und sanierte den Haushalt – und wurde von den Grünen nicht etwa gebremst, sondern ermutigt.

Sind Schulden immer schlecht?

Das ist lange her, deshalb hat die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung nun für dieses Wochenende zu einem Generationen-Kongress eingeladen, der klären soll, wie heutzutage die Interessen verschiedener Altersgruppen zusammenzubringen sind. Vorher wurden Vertreter der "Generation Y" eingeladen und ausgiebig befragt, außerdem gibt es einen Forderungskatalog der von der Erbschaftssteuer bis zum Straßenbau reicht. Leider sei bei der Debatte "seit zehn Jahren nicht mehr viel passiert", heißt es in der Stiftung.

Die Beobachtung stimmt, die neu formulierten Forderungen machen die Lage allerdings nicht viel besser. Der Ausbau der Infrastruktur solle in Zukunft das wichtigste Generationenthema sein, heißt es, allein im Verkehrsbereich fehlten Investitionen von 70 Milliarden Euro. Aber wie verträgt sich dieses Ziel mit der Schuldenbremse, an der die Grünen festhalten und die es für arme Kommunen demnächst noch schwerer machen wird, zu investieren?

Sind Schulden immer schlecht – auch wenn sie Zukunftsprojekten dienen? Es gibt mittlerweile viele grüne Antworten auf diese Frage, fast so viele wie Finanzpolitiker. Was davon nun stimmt, wäre ein gutes Thema für einen Generationen-Kongress gewesen.