In der saarländischen SPD ahnen sie natürlich, dass die Finanzaffäre so oder so brisant für den heutigen Bundesjustizminister ist. Allein Ausgaben in Höhe von 83.000 Euro an Steuergeldern für eine Fußballmannschaft werfen Fragen auf. Das Saarland ist hoch verschuldet, weswegen die in Saarbrücken regierende große Koalition sich eigentlich strengste Haushaltsdisziplin verordnet hat.

In dem kleinen Bundesland, das weniger Einwohner hat als Köln, wird viel geredet, alle sind immer über alles informiert. Ausgerechnet der schlampige oder kriminelle Umgang mit Steuergeldern in seiner eigenen 18-köpfigen Fraktion soll dem langjährigen Vorsitzenden Maas entgangen sein? Bezüglich der Finanzierung der "Roten Hosen" gab es ab 2010 plötzlich eine höhere Sensibilität. Da beschlossen die Abgeordneten unter der Führung von Maas, fortan jährlich nur noch 4.000 Euro an Steuergeldern für das Kicken auszugeben.

Der SPD- Sprecher betont in diesen Tagen gerne, dass so eine Fraktionsfußballmannschaft ja auch der Öffentlichkeitsarbeit diene. Und dass niemand wisse, wie viel Geld wirklich in die "Roten Hosen" geflossen sei. Vielleicht auch viel weniger als die 80.000. Bei den aktuellen Ermittlungen zeigen sich die Sozialdemokraten nicht so kooperativ, wie sich das die Saarbrücker Staatsanwaltschaft wünschen würde. Die Fraktion kann viele Belege und Fahrtenbücher derzeit angeblich nicht finden. 

883 Euro an der Bar

Erklärungsbedarf gibt es auch bezüglich kostenträchtiger Wochenend-Trips der  "Roten Hosen" in den Gesundheitspark Höchenschwand im Schwarzwald. Dort nahmen die SPD-Kicker  jedes Jahr an einem Tunier von "Altherren-Mannschaften" teil. 2009 ließen sich die "Roten Hosen" diesen Aufenthalt in einem Wellness-Hotel nach Angaben der Staatsanwaltschaft 7.800 Euro kosten. Wie die Saarbrücker Zeitung berichtet, seien es im Jahr zuvor sogar 12.096 Euro gewesen – für 72 Mitreisende. Allein 883 Euro hätten die Kicker an der Hotelbar gelassen.

In der SPD wird beteuert, jeder Mitfahrende habe damals einen Eigenbetrag von mindestens 150 Euro bezahlt – die  "Altherren-Turniere" seien also keinesfalls vollkommen aus Steuergeldern beglichen worden. Doch leider gebe es keine Teilnehmerlisten von diesen Events, sagt ein Sprecher. Die "Eigenbeträge" können derzeit auch nicht nachgewiesen werden. Für die sei der beschuldigte ehemalige Fahrer des Fraktionsvorsitzenden zuständig gewesen, betont der SPD-Sprecher.  

Sicher ist, dass Heiko Maas regelmäßig mitkickte. Auch die Fußballmannschaft des damals CDU-geführten Landesumweltministeriums trainierte mindestens einmal im Schwarzwald. Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken möchte jetzt herausfinden, wie die denn ihre Trips finanzierte.

Es ist durchaus erstaunlich, dass die anderen saarländischen Parteien bisher wenige Worte über den SPD-Skandal verlieren. Vielleicht liegt es daran, dass der Landesrechnungshof sich künftig auch die Ausgaben der anderen Landtagsfraktionen genau anschauen will. Die SPD war einfach als erste an der Reihe. Auch die Saar-CDU finanziert sich eine eigene Fußballmannschaft für ihre Abgeordneten. Diese soll aber in den betreffenden vier Jahren nur 6.500 Euro gekostet haben, wie eine Sprecherin gegenüber der FAZ betonte.

Heiko Maas selbst zieht es vor, derzeit zu schweigen – zu den Vorwürfen gegen seine ehemaligen Mitarbeiter, aber auch zu den teuren Aktivitäten seiner "Roten Hosen", für die er so gerne kickte. Die Mannschaft der SPD-Abgeordneten hat sich inzwischen aufgelöst.