Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) hat Ausnahmen beim Mindestlohn ausgeschlossen. "Ab 1. Januar 2017 gilt für alle Branchen und für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ein Mindestlohn von 8,50 Euro", sagte Nahles der Welt am Sonntag. Dieser sei "überfällig in Deutschland, und wir haben es in der Regierungskoalition verabredet".

"Es kann also niemand überrascht sein, und ich bin nicht bereit, über diese Grundfrage zu verhandeln." Im Bundestag gehe sie von einer großen Mehrheit für das Gesetz aus. Sie könne "nur davor warnen, darauf zu wetten, dass die politische Verabredung für irgendeine Branche am Ende nicht gilt".

Auch Praktikanten sollen den Mindestlohn erhalten, sagte Nahles. Ausgenommen von der Regelung würden sie nur, wenn sie ein Pflichtpraktikum absolvieren oder ein freiwilliges Praktikum maximal sechs Wochen dauert. "Ich werde das Modell der Generation Praktikum beenden", sagte die Bundesarbeitsministerin. Wer eine Ausbildung oder ein Studium absolviert habe, werde "nicht mehr monatelang für lau ausgenutzt werden".

8,50 Euro sei eine Größenordnung, "mit der wir in Ost und West gut leben können", sagte Nahles. Deutschland als stärkste Wirtschaftsnation Europas könne "diesen Mindestlohn verkraften". Sie gehe nicht davon aus, dass es zu Arbeitsplatzverlusten kommen werde. Stattdessen werde der Mindestlohn  verhindern, dass Fachkräfte aus den östlichen Bundesländern abwandern.