Der Bundesrechnungshof wirft dem Verteidigungsministerium vor, die Probleme mit der Standardwaffe der Bundeswehr G36 systematisch herunterzuspielen. Das Ministerium gehe "auf die anhaltende Kritik nicht in dem gebotenen Maß ein", heißt es in einem vertraulichen Rechnungshofbericht, aus dem die Süddeutsche Zeitung und Spiegel Online zitieren. "Es vertritt weiterhin die uneingeschränkte Tauglichkeit und Zuverlässigkeit des Gewehrs G36, ohne alle bisherigen Untersuchungen in der Gesamtheit zu würdigen."  

Das Sturmgewehr steht schon länger in der Kritik. Vor allem im Einsatz in Afghanistan sollen sich Soldaten beklagt haben, dass die Waffe im Dauerfeuer ungenau schieße. 2012 kam ein Prüflabor der Bundeswehr zu dem Ergebnis, dass sich der Lauf der von Heckler & Koch hergestellten Waffe bei langen Schusssalven erhitzt und an Stabilität verliert.  

Solche Berichte habe das Ministerium "nur zögerlich angenommen", rügte nun der Rechnungshof. Die Mängel "könnten dazu führen, dass sich Soldatinnen und Soldaten im Einsatz nicht auf ihre Waffe verlassen können".   

Als Fazit schreiben die Prüfer, das Ministerium habe "in jedem Fall zu spät reagiert", Warnungen relativiert und immer wieder die uneingeschränkte Tauglichkeit des Gewehrs konstatiert. Wörtlich nennt der Rechnungshof diese Aussagen "irreführend" und erhebt so den Vorwurf der Vertuschung.

Die meisten Vorwürfe beziehen sich auf die Amtszeit von Minister Thomas de Maizière. Doch auch nach Amtsantritt von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen seien die Probleme mit dem Gewehr weiter geleugnet worden.  

Der nun bekannt gewordene Rechnungshofbericht ist auf den 23. Juni datiert. Am Sonntag bereits waren Teile daraus bekannt geworden. Daraufhin stoppte das Verteidigungsministerium den Kauf von neuen G36-Gewehren. Von der Leyen kündigte eine neue Untersuchung des G36 und eine enge Kooperation mit dem Rechnungshof an.