Der frühere Kanzleramtschef Ronald Pofalla wird Manager der Deutschen Bahn. Er übernimmt zum 1. Januar 2015 den Posten eines Generalbevollmächtigten für politische und internationale Beziehungen. Das teilte das Unternehmen während einer Aufsichtsratssitzung mit.

Die Bahn und Pofalla hätten sich für eine Karenzzeit von zwölf Monaten für den Wechsel von der Politik in die Wirtschaft entschieden, teilte die Bahn mit. In einem zweiten Schritt soll Pofalla in den Konzernvorstand berufen werden, teilte die Bahn mit. Dann soll er ein Ressort leiten, in dem die Bereiche Unternehmensführung, Datenschutz, Recht und Konzernsicherheit zusammengefasst sind. Der Zeitpunkt dafür sei noch nicht bestimmt.

Allerdings gilt die Karenzzeit offenbar nur für Pofallas Amt als Kanzleramtschef. Denn sein Mandat als Bundestagsabgeordneter will der CDU-Politiker bis zuletzt behalten. "Mit der Übernahme der neuen Tätigkeit ab dem 1.1.2015 werde ich mein Mandat als Abgeordneter des Deutschen Bundestags nach 24 Jahren ebenso wie alle weiteren Funktionen in meiner Partei niederlegen", sagte Pofalla der Bild-Zeitung. Bis dahin werde er sich "mit voller Kraft" für die Menschen in seinem Wahlkreis einsetzen. Kritiker wie die Organisation Lobbycontrol hatten gefordert, dass Pofalla sein Mandat schnellstmöglich abgibt.

Gabriel besetzt Kontrollposten neu

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) soll unterdessen den Kontrollposten seines Ministeriums im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn neu besetzt haben. Staatssekretär Rainer Sontowski habe angekündigt, sich aus dem Gremium zurückzuziehen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters. Sie berief sich auf Aufsichtsräte des Unternehmens.

Gabriel will demnach den Posten mit einem Manager aus der Wirtschaft besetzen. Santowski war erst seit Januar im Amt. Zu der Personalie äußerten sich weder Sprecher des Wirtschaftsministeriums noch der Bahn.

Traditionell koordiniert der Staatsekretär des Verkehrsministeriums die Haltung der drei Regierungsvertreter (Verkehrs-, Finanz- und Wirtschaftsministerium) bei der Bahn. Dies wäre für den derzeitigen Verkehrsstaatssekretär Michael Odenwald schwerer, wenn mit einem Manager aus der Wirtschaft ein unabhängiger Kontrolleur im Gremium sitzt.

Der Kontrollposten des Wirtschaftsministeriums könnte demnach mit Michael Frenzel, einem Vertrauten von Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD), besetzt werden. Frenzel war von 2001 bis 2005 Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bahn, bis er nach einem Machtkampf mit dem damaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn seinen Posten räumen musste.