CSU-Chef Horst Seehofer hat bei der Klausurtagung seiner Partei in München seine Machtstellung verteidigt und seine Kritiker offenbar ohne Widerspruch auf ihre Plätze verwiesen. Es habe keine formelle Abstimmung gegeben, aber demonstrativ langen Beifall, sagten Tagungsteilnehmer nach der Beratung.

Der Ministerpräsident will den Übergangs-"Fahrplan" bis zu seinem geplanten Abschied 2018 erst nach dem CSU-Parteitag im Herbst 2015 festlegen. Seehofer hatte vor der Sitzung erwogen, dem CSU-Vorstand die Regelung seiner Nachfolge bereits jetzt zur Abstimmung vorzulegen. Das Vorhaben stieß aber auf Skepsis bei mehreren Mitgliedern der CSU-Spitze.

Zuerst sollten die Inhalte geklärt werden, später dann die Personalien, sagte Seehofer nach Angaben von Teilnehmern der CSU-Vorstandsklausur. Er wolle auf dem Parteitag 2015 wieder als Parteivorsitzender antreten. Zuständig für den "Fahrplan" soll der dann neu gewählte Parteivorstand sein.

Am inhaltlichen Kurs der Partei will Seehofer nichts ändern: Die zwei Wahlprogramme Bayernplan und Europaplan blieben die Kursbücher, sagte der CSU-Chef. Er habe eine klare Vorstellung, wie die CSU in die Zukunft gehen könne. "Die CSU steht zusammen, da wird es auch keine personellen Konsequenzen geben."

Am 25. Mai hatte die CSU mit 40,5 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer überregionalen Wahl seit 1954 eingefahren. "Ich übernehme die Verantwortung für dieses Wahlergebnis", hatte Seehofer am Tag danach voller Zerknirschung gesagt. Seither haben mehrere CSU-Politiker ihren Parteichef in Interviews kritisiert. Gerda Hasselfeldt, CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag, sagte hingegen vor der Klausur: "Das Ganze ist kein Anlass für persönliche Kritik am Parteivorsitzenden."

Der ehemalige CSU-Chef Erwin Huber hatte begrüßt, dass auf der Klausur womöglich ein Fahrplan für die Nachfolge beschlossen werden soll. Das schaffe Klarheit für alle Beteiligten, sagte Huber, der zu Seehofers schärfsten Kritikern zählt. Als mögliche Nachfolger im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten gelten Finanzminister Markus Söder und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Der CSU-Europaabgeordnete und EVP-Fraktionschef Manfred Weber forderte vor der Sitzung bezüglich des von Seehofer protegierten Parteivize Peter Gauweiler ein Ende des Nörgelns über Europa. Gauweiler habe mit vielen Positionen falsch gelegen: "Er vertritt leider Gottes nur selten CSU-Gesamtpositionen." Gauweilers Kritik an der Euro-Rettung riskiere Hunderttausende Arbeitsplätze in Bayern. Seinen Rücktritt als CSU-Vize forderte Weber jedoch nicht: "Wir führen keine Personaldebatten."

"Flaschen-Mannschaft" und "dumme Kaiser" in Brüssel

Bei der Vorstandssitzung sollte es eine inhaltliche Debatte über Fehler im Europawahlkampf geben. Nach Einschätzung von Europa-Politikern der CSU war Gauweilers Brüssel-Kritik zu schrill. Gauweiler und andere Europa-Skeptiker dagegen vermuten, dass das Wahlergebnis der CSU ohne Kritik an Europa noch schlechter ausgefallen wäre. Gauweiler hatte die EU-Kommission "Flaschen-Mannschaft" genannt und von "nackten dummen Kaisern" in Brüssel gesprochen.

Die neue Vorsitzende der CSU-Europagruppe, Angelika Niebler, sagte der Süddeutschen Zeitung, die CSU habe als ganze Mannschaft bei der Wahl verloren, weil der Vorstand alle Entscheidungen mitgetragen habe. Ihren Vorgänger Markus Ferber kritisierte sie für seine Angriffe auf Seehofer: "Was seine Äußerungen betrifft, habe ich mich tierisch geärgert." Ferber hatte bemängelt, die CSU setze in der Großen Koalition nicht ihre Kernthemen durch, sondern nur "Zweitrangiges wie die Mütterrente".