Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer hat größere Veränderungen an den Plänen für den Mindestlohn ausgeschlossen. "Der Mindestlohn kommt ab 2017, und zwar für alle", sagte er dem Focus. "Bis dahin können sich bestimmte Wirtschaftskreise darauf einstellen." Es müssten Übergangslösungen gefunden werden "für die Zeitungsausträger, für die Gastronomie und vielleicht auch für die Praktikanten".

Doch die Forderungen in der Union nach grundsätzlichen Korrekturen am Gesetzentwurf von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) sind noch nicht verstummt. Thomas Strobl, der stellvertretende CDU-Chef, forderte im Focus erneut Lockerungen insbesondere für Saisonkräfte. "Die SPD sollte sich unseren Wünschen nicht aus Dogmatismus verweigern, sonst wird das Klima in der Koalition nicht besser", sagte er.

Auch der parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer, verlangte noch Änderungen. Der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er, dass Praktika, die im Studium gefordert werden, prinzipiell vom Mindestlohn ausgenommen werden sollten. Dasselbe gelte für Praktika zur Berufsorientierung. "Wer den Mindestlohn für diese Praktika fordert, wird dafür sorgen, dass diese nicht mehr angeboten werden", sagte der CDU-Politiker.

Grosse-Brömer wies zudem die Forderung von SPD-Vize Ralf Stegner zurück, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) solle das "Genöle" in der Union beenden. "Eigentlich müsste Ralf Stegner uns doch dankbar sein, wenn wir SPD-Politik veredeln", sagte er. Aber der SPD-Mann "hyperventiliert manchmal". 

Grüne kritisieren Mindestlohn-Kommission

Noch vor der Sommerpause soll das Gesetz zum Mindestlohn verabschiedet werden. Der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde soll dann vom kommenden Januar an für alle ab 18 Jahren gelten. Ausnahmen gibt es bis 2017 für Branchen mit einem überregional gültigen Tarifvertrag. Prinzipiell ausgenommen sind Pflichtpraktikanten und ehemalige Langzeitarbeitslose für die ersten sechs Monate im neuen Job.

Die Grünen übten Kritik an der geplanten Zusammensetzung der Kommission, die künftig regelmäßig über eine Erhöhung des Mindestlohns verhandeln soll. "Die Konstruktion im Gesetzentwurf ist ein Fehler, weil sie die Wissenschaft an den Katzentisch verfrachtet. Sie muss wie in England gleichberechtigt mit Sitz und Stimme in der Kommission vertreten sein", sagte die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Partei, Brigitte Pothmer, ZEIT ONLINE. Ein Besuch des Bundestagsausschusses für Arbeit in Großbritannien habe "eindrücklich gezeigt", dass die Beteiligung von Forschern zur breiten Akzeptanz des Mindestlohns in England geführt habe. Keinesfalls dürfe sich die Höhe des Mindestlohns am Index der Tarifabschlüsse orientieren, betonte Pothmer. Das fordern Arbeitgeber und Gewerkschaften, sowie auch die SPD. Die Grünen-Arbeitsmarktpolitikerin betonte daher: "Es gibt eine schwarz-grüne Allianz in Sachen Mindestlohnkommission."