Und dann gab es das Buch des ehemaligen Bundesbankers Thilo Sarrazin, das es noch einmal schaffte, klar zu machen, wer dazu gehört und wer nicht. Wer deutsch ist und wer nicht.

Früher ging es bei der Debatte um die doppelte Staatsbürgerschaft um große Worte wie Loyalität und Zugehörigkeit. Es gab tatsächlich die Wortkreationen "Integrationsverweigerer" (Thomas de Maizière)  oder "deutsche Leitkultur" (Friedrich Merz). Ziel war immer, das "wir" vom "die" zu trennen. Und die dazwischen sollten sich gefälligst für eine Seite entscheiden.

Zuletzt ging es nur noch um kleine Sachen wie: Wer muss eigentlich nachweisen, dass der Betroffene die Voraussetzungen für die Mehrstaatlichkeit erfüllt (acht Jahre in Deutschland gelebt, oder sechs Jahre hier eine Schule besucht, oder hier einen Schul- oder Berufsabschluss gemacht haben) – er selbst oder die Behörden? Zunächst sah ein Gesetzesentwurf von Bundesinnenminister de Maizière  vor, dass die Betroffenen diese Nachweise selbst erbringen. Dann sah man aber ein, dass 95 Prozent derjenigen, um die es geht, die Kriterien sowieso erfüllen. Um die anderen fünf Prozent kümmern sich nun die Behörden von sich aus.

Nur eine kleine Engherzigkeit

Man könnte sich jetzt zurücklehnen und dieses neue Deutschland 2014 genießen. Doch eine kleine Engherzigkeit hat der Gesetzgeber sich dann doch erlaubt: Von der neuen Regelung profitieren die Kinder von Einwanderern, nicht die Elterngeneration. Die Generation Gastarbeiter, die hier gebuckelt und mitgeholfen hat. Es gibt keine Altfallregelung. Wer einmal den einen Pass abgegeben hat, kriegt ihn nicht wieder.

Das heißt: Heute noch nicht. Irgendwann wird es auch eine Altfallregelung geben und Mehrstaatlichkeit wird normal sein. Die SPD und die Grünen sollten das Thema weiterverfolgen. Es könnte auch sein, dass die CDU sie da überholt, wie so oft in Fragen der Integration. Der Fortschritt wird ja nur verzögert, nicht aufgehalten. Die Entscheidung des Bundestags in dieser Woche zeigt, wie schnell es manchmal gehen kann.