Elsässers prorussische Positionen und seine eurasischen Ziele erklären auch, warum er Teile der Alternative für Deutschland (AfD) publizistisch unterstützt. Beim letzten Bundesparteitag lagen die Schriften aus dem Compact-Verlag aus. Elsässer sucht offenbar die Nähe zu der neuen Partei. Vor der Bundestagswahl 2013 hatte Elsässer eine klare Wahlempfehlung für die AfD ausgesprochen, die mit seinem Compact-Verlag den Slogan "Mut zur Wahrheit" teilt. Der Pankower Kreisverband bezeichnete Elsässer mit Verweis auf seine "Volksinitiative" sogar als einen "Miterfinder" der AfD.  

Tatsächlich hatte die "Volksinitiative" mit Compact im Februar 2012 die "Adlershofer Erklärung" initiiert, in der der Aufbau einer "Wahlalternative" gegen den Euro angekündigt wurde. Als sich im Herbst 2012 die "Wahlalternative 2013" bildete, aus der die AfD hervorging, interviewte Compact deren Mitgründer Konrad Adam. Heute gilt Elsässers öffentliches Lob vor allem dem Putin-freundlichen AfD-Flügel um Alexander Gauland und dessen verständnisvollem Blick auf die Krim-Annexion. Auf EU-Ebene sähe Elsässer die AfD gern in Kooperation mit der Ukip von Farage.

Gespräch mit dem russischen Neofaschisten Dugin

Elsässer pflegt in seinem prorussischen Netzwerk nicht nur Kontakte zu offiziellen russischen Institutionen wie dem Russischen Haus und RT. Im Herbst 2013 interviewte er für sein Magazin auch den Anführer der Internationalen Eurasischen Bewegung in der GUS, Alexander Dugin. Elsässers Interesse an Dugin verwundert nicht, denn der Moskauer Konspirologe gilt als Cheftheoretiker des Neoeurasismus – einer radikal liberalismusfeindlichen Ideologie, die Grundpositionen wie den Antiamerikanismus mit den Montagsmahnwachen und Medien wie dem Compact-Magazin teilt. 

Dugin ist zwar kein direkter Ideengeber oder Berater Putins, wie manchmal behauptet wird. Doch er hat derzeit offenbar zunehmende Wirkung auf den imperialistischer und antiwestlicher werdenden politischen Zeitgeist Russlands. Der Rechtsextremist leitete trotz fragwürdiger akademischer Weihen bis vor Kurzem den Lehrstuhl für Soziologie der Internationalen Beziehungen an der Moskauer Staatlichen Lomonossow-Universität, ist offizieller Berater des russischen Parlamentssprechers Sergej Naryschkin und in letzter Zeit häufig in staatsnahen russischen Medien präsent. In westlichen Medien bekam er zuletzt viel Aufmerksamkeit wegen seiner Hetze gegen die Ukraine und den Westen.  

In den neunziger Jahren war Dugin berüchtigt für seine affirmativen Stellungnahmen zur Waffen-SS, für ambivalente Äußerungen zum deutschen Nationalbolschewismus, zum "Dritten Reich" und zum Faschismus allgemein. Einmal lobte Dugin den anfänglichen Organisator des Holocausts und Himmler-Stellvertreter Reinhard Heydrich als "überzeugten Eurasier".

Subversion, Desinformation, Destabilisierung

Heute tritt Dugin vor allem als politischer Kommentator und außenpolitischer Ideengeber auf. Ein halbes Jahr vor seinem Interview mit Elsässers Compact schlug Dugin vor laufender Kamera vor, Europa zu erobern und als russisches Protektorat anzugliedern. Mit Mitteln der soft power solle Russland sich als traditionalistischer Schützer "wahrer" europäischer Identität anbieten, als Retter vor der Zerstörungskraft des Liberalismus. Und darauf hinarbeiten, Europa über geeignete westliche Partner parlamentarisch zu unterwandern. Zur Umgestaltung Europas hatte Dugin bereits 1997 in seinem Buch Grundlagen der Geopolitik  nicht nur das Militär, sondern auch Strategien der "Subversion, Desinformation und Destabilisierung" vorgeschlagen.

Dugins jahrelange Netzwerkarbeit nicht nur im russischen nationalistischen Spektrum, sondern auch in der europäischen Neuen Rechten reicht inzwischen über den radikalen Rand des paneuropäischen Antiamerikanismus hinaus. So war Dugin am 31. Mai 2014 Stargast eines Geheimtreffens in Wien, an dem unter anderem FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache und die Front-National-Politikerin Marion Maréchal-Le Pen, die Enkelin Jean-Marie Le Pens, teilnahmen

Auf Elsässers Frage, inwieweit Dugins weitergehende Pläne für Europa realisierbar sind, antwortete der in dem Interview 2013: "Die eurasische Idee ist [...] ein realistisches und idealistisches Konzept. Es ist nicht nur irgendeine romantische Idee, es ist ein technisches, geopolitisches und strategisches Konzept, welches von all jenen Russen unterstützt wird, die verantwortungsbewusst denken."

Einige Tage vor dem Pseudoreferendum zur Krim-Annexion veröffentlichte Dugin im März 2014 ein apokalyptisches Szenario eines sogenannten Russischen Frühlings. Darin sagt er einige Entwicklungen in der Ukraine voraus, die in den folgenden Wochen zum Teil tatsächlich eintraten. Auf einen zu erwartenden Bürgerkrieg werde ein russischer Einmarsch in die Ostukraine folgen, welche durch Russland "befreit" werden würde, heißt es darin. Doch Dugin schildert darüber hinaus das Ziel seiner Vision: "Russland hört hier nicht auf, sondern trägt Aktivitäten nach Europa, die das Hauptelement der Europäischen Konservativen Revolution darstellen werden. Europa beginnt zu zerfallen: einige Länder stehen hinter den USA, aber mehr und mehr werden auf Russland hören. […] Ein neuer großer Kontinentalbund formiert sich als Konföderation von Europa und Eurasien […] Von Lissabon bis Wladiwostok." 

Hier ist sie wieder, die Idee vom Eurasien "von Lissabon bis Wladiwostok", die auch Elsässer formuliert. Betrachtet man dessen kremlnahes Netzwerk, wird offensichtlich, in welche Richtung er Europa gern manövrieren würde.

 Thomas Korn ist freier Publizist in Erfurt. Andreas Umland ist Herausgeber der Buchreihe "Soviet and Post-Soviet Politics and Society" des ibidem-Verlags Stuttgart.