Linken-Politiker Petzold, der in Essen als einziger Linkspartei-Politiker für die israelische Position in dem Konflikt demonstrierte, glaubt hingegen, dass es so einfach nicht ist. "Aus den Vorfällen müssen wir unsere Lehren ziehen", sagt er. Es könne nicht sein, dass "unsere Partei indirekt den Antisemitismus befördert und toleriert". Auch deshalb sei er aus Brandenburg zur proisraelischen Gegendemonstration nach Essen gereist. Für die Linkspartei, so Petzold, müsse die Sicherheit Israels natürlich Staatsraison sein – bei aller Kritik an der Regierung und bei aller Vehemenz der Forderung nach einer Zwei-Staaten-Lösung.

"Es ist völlig legitim und logisch, dass es unterschiedliche Meinungen zum Nahostkonflikt gibt", sagt Grünen-Politiker Kindler. Der Bundestagsabgeordnete hat Israel und die palästinensischen Gebiete oft bereist, er bezeichnet sich als "linker Zionist". Eine pauschale "Gut-und-Böse-Zuschreibung" funktioniere in dieser extrem komplexen Gemengelage zwischen Israel und Palästina nicht, sagt Kindler. Auch er kritisiere den Siedlungsbau der Israelis und engagiere sich für eine gerechte Zwei-Staaten-Lösung, aber er sehe auch, dass Israel gerade in der aktuellen Situation in Deutschland öffentliche Fürsprecher brauche. 

"Es gibt so viel Gewalt in der Welt. Der blutige Krieg in Syrien, die Schreckensherrschaft von Isis, der Konflikt in der Ukraine. Auch hier sterben sehr viele unschuldige Zivilisten. Doch was treibt die Menschen auf die Straße: wenn Israel seine Bevölkerung gegen massenhafte Raketenangriffe der Hamas verteidigt. Ich will das Leid der Menschen in Gaza nicht relativieren. Ich bin auch für einen Waffenstillstand. Ich glaube aber, die Empörung hat damit zu tun, dass das Thema tiefer geht. Das sind oft auch tief verankerte Ressentiments gegen Juden, die da mitspielen. Und das finde ich erschreckend", sagt Kindler. Antisemitismus-Forscher Benz stimmt ihm zu: Menschen, die antisemitische Ressentiments hegen, nähmen gern die Politik der israelischen Regierung zum Anlass, "um einmal seinem Herzen, seinen feindschaftlichen Gefühlen gegen den Juden so richtig Luft zu machen", sagt Benz.