Der Neonazi Siegfried Borchardt wird sein Mandat im Dortmunder Stadtrat abgeben. Ein Sprecher der Stadt bestätigte einen entsprechenden Bericht der Ruhr Nachrichten. Borchardt, der der Partei Die Rechte angehört, hat dem Oberbürgermeister Ulrich Sierau demnach am Donnerstagabend mitgeteilt, dass er sein Ratsmandat aus gesundheitlichen Gründen niederlegen werde.

Das Mandat von Borchardt wird Dennis Giemsch übernehmen. Giemsch galt als eine der Führungspersonen des Nationalen Widerstands Dortmund. Die rechtsextremistische Vereinigung wurde im August 2012 vom nordrhein-westfälischen Innenminister Ralf Jäger verboten. Giemsch meldete zudem mehrfach Naziaufmärsche an und trat dort als Redner auf.

Während der Dortmunder Kommunalwahlen erhielten Die Rechte mit ihrem Spitzenkandidaten Borchardt und die NPD je einen Sitz im Stadtrat. Nach der Wahl hatten Borchardt, Giemsch und weitere Anhänger der Rechten versucht, das Dortmunder Rathaus zu stürmen. Dabei wurden zehn Menschen verletzt. 

Oberbürgermeister Sierau hatte daraufhin ein Hausverbot gegen Giemsch und 29 weitere Beteiligte verhängt. Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen entschied am Montag, dass das Hausverbot gegen Giemsch aufgehoben wird.

Borchardt war in den achtziger Jahren eine der führenden Personen der gewalttätigen Borussenfront und der 1995 verbotenen Organisation FAP. Anschließend war er als Mitglied der Autonomen Nationalisten und des Nationalen Widerstands Dortmund aufgetreten. 2012 war er an der Gründung von Die Rechte beteiligt.

Während der gestrigen Sitzung des Düsseldorfer Landtags kommentierte Innenminister Jäger: "Nirgendwo in NRW haben wir eine so gefestigte und aggressive Neonaziszene wie in Dortmund."