Die Idee klingt verführerisch: Einen gefährlichen Regionalkonflikt lösen zu können, ohne selber großes Risiko einzugehen. Wir liefern nur die Waffen, das Schießen übernehmen die Kurden – in unserem Sinne natürlich. So sind die eigenen Soldaten nicht an fremden Kriegsschauplätzen gefährdet, in bei den Wählern unbeliebten Auslandseinsätzen. 

Doch der leichteste Weg ist in der internationalen Sicherheitspolitik selten der richtige. In Afghanistan und Libyen hatten Waffenlieferungen an Gruppen, die als Freunde des Westens galten, bereits fatale Auswirkungen auf die Sicherheitslage. Dennoch hat nun die Aufrüstung von verschiedenen kurdischen Gruppen begonnen, die in Syrien und vor allem in Nordirak gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) kämpfen.

Die Vereinigten Staaten und Frankreich liefern bereits Kriegsgeräte an die Kurden. Die Kurden sollen damit die von Islamisten verfolgten Jesiden retten. Der deutschen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen wiederum schwebt vor, die eigene Unterstützung auf Schutzwesten, Unimogs und Zelte zu beschränken. Einigen ihrer Parteifreunde geht diese Unterstützung nicht weit genug. Sie wollen auch Waffen an die Kurden liefern. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) schloss dies nicht aus.

Doch wen rüstet der Westen gerade auf? DIE Kurden gibt es nicht. Verschiedene Gruppen aus Syrien, Irak und der Türkei haben sich momentan im Kampf gegen die radikalen Sunniten des IS zusammengeschlossen. Wird diese Koalition halten, wenn der Konflikt endet? Wer will kontrollieren, wo einmal gelieferte Waffen landen? Wie vertrauenswürdig sind die neuen Partner? Wer kann garantieren, dass kurdische Gruppen nicht irgendwann aus Deutschland gelieferte Sturmgewehre oder Granatwerfer gegen Streitkräfte des Nato-Partners Türkei einsetzen? Viele Fragen bleiben in der aktuellen Debatte unbeantwortet.

Es könnte schon rein juristisch schwer werden, Waffen an Kurden zu liefern. Kriegswaffenexporte an Privatpersonen sind in Deutschland nicht erlaubt, exportiert werden darf nur an Staaten. Die Kurden haben jedoch keinen eigenen Staat – auch wenn viele von ihnen dieses Ziel verfolgen. Sollte es um Waffen der Bundeswehr gehen, müsste eigentlich der Bundestag zustimmen, denn diese Waffen wurden mit Steuergeldern angeschafft. Oder kauft die Bundesregierung neue Waffen, um diese zu liefern? Oder nutzt sie gar einen Drittstaat als Zwischenhändler?

Dazu kommen die politischen Fragen. Vergessen scheint im Westen bereits, dass viele kurdische Gruppen vor wenigen Jahren noch als Gefahr für die Region galten. Einige fordern einen eigenen Staat, wollen Kurdistan aus Gebieten des Iraks, Syriens und der Türkei bilden. Erst jetzt, da die Zahl der Alternativen drastisch gesunken ist, gelten die Kurden als Allheilmittel gegen IS.

Der IS ist selbst das beste Beispiel dafür, welch fatale Folgen gut gemeinte Waffenlieferungen haben können, wie unkontrollierbar sie sind. Die Terroristen sind ausgezeichnet bewaffnet. Etwa mit Milan-Panzerabwehrraketen aus französisch-deutscher Co-Produktion. Sie sollen teilweise aus Libyen nach Syrien gekommen sein. Die Milan sind dort vom Westen an Rebellen verteilt worden. Außerdem verfügen die IS-Kämpfer über moderne amerikanische Waffen und Fahrzeuge, die sie von der irakischen Armee erbeutet haben oder die von Überläufern mitgebracht wurden. Die irakischen Streitkräfte sind von den USA aufgerüstet worden. Die gelieferten Waffen blieben aber nicht in den Händen, für die sie vorgesehen waren.