Für Stanislaw Tillich ist dies ein ziemlich vergifteter Wahlsieg: Ja, er darf Ministerpräsident in Sachsen bleiben. Das Ergebnis seiner CDU aber ist enttäuschend, es ist das schlechteste seit 1990. Noch zu Jahresbeginn war ihr die absolute Mehrheit zugetraut worden. 

Das Experiment der sächsischen Union, die AfD möglichst totzuschweigen, ist gescheitert. Tillich und seine Leute müssen sich fragen lassen, ob es richtig war, einerseits eine Koalition mit den Euro-Gegnern nicht explizit auszuschließen, andererseits auf jede inhaltliche Auseinandersetzung mit der Partei zu verzichten. So zog nun die Alternative für Deutschland mit einem fulminanten Ergebnis von 9,7 Prozent in den Landtag ein.

Stanislaw Tillich hat sich in seinem Wahlkampf ganz auf sich selbst und die recht guten Wirtschaftsdaten in Sachsen verlassen. Bloß keine Kontroversen mit dem politischen Gegner, bloß keine Aufregung, Tillich kopierte das Prinzip Merkel – inklusive des bekannten Nachteils, dass auch der eigene Anhang demobilisiert wird. Hinzu kam, dass die Wahl ausgerechnet am letzten Wochenende der Sommerferien stattfinden musste: So wenig Wahlkampf war selten.

Und so geschah am rechten Rand und jenseits der Wahlkabinen Dramatisches: Fast 15 Prozent der Wähler gaben Parteien rechts der CDU eine Stimme, mehr als 50 Prozent aller Wahlberechtigten gingen gar nicht zur Abstimmung. Es gärt etwas in Sachsen, und offenbar können daran auch niedrige Arbeitslosenquoten und beste PISA-Ergebnisse nichts ändern.      

Fast hätte es die NPD so – obwohl fast pleite und nach dem Abgang von Holger Apfel personell geschwächt– nochmals in den Landtag geschafft. Obwohl sie mit der Alternative für Deutschland einen starken Gegner hatte, der zum Teil auch im gleichen Wählermilieu unterwegs war. Die AfD konnte ihr Ergebnis selbst kaum glauben. "Mir fehlen die Worte", sagte Spitzenkandidatin Frauke Petry, die die wohl 14 neuen AfD-Abgeordneten bald als Fraktionschefin anführen könnte.  

Im Wahlkampf beschäftigte sich die junge Partei kaum mit Sachsen. Die AfD hängte Plakate auf, die noch aus dem Europawahlkampf stammten. "Mut zu Deutschland", konnte man da plötzlich wieder lesen. Doch das Gemisch aus Eurorettungs-Kritik, konservativem Familien-Rollback und latent rechtspopulistischen Parolen ("Sichere Grenzen statt grenzenloser Kriminalität") sprach ganz offenbar eine breite Klientel an. Die AFD, so zeigen es erste Analysen, hat viele Stimmen von ehemaligen CDU-Wählern erhalten, von FDP-Wählern, aber auch von Linken. Sie ist eine klassische Protestpartei.  

Zu einer Regierungsbeteiligung wird es für die Aufsteiger nicht kommen. Am Wahlabend schloss Tillich eine Koalition mit der AfD doch noch aus.