Mehr als 90 deutsche Nahost-Experten drängen die Bundesregierung zu einer neuen Haltung im Gaza-Krieg. Sie fordern in einem offenen Brief an Regierung und Bundestagsabgeordnete mehr Einsatz für einen dauerhaften Waffenstillstand und ein Ende der Blockade des Gazastreifens, berichtet Spiegel Online. "Ohne Aufhebung der Blockadepolitik gibt es keinerlei Entwicklungsperspektive für die Menschen in Gaza und keine Chance für die Zweistaatenlösung", schreiben die Initiatoren.

"Die Hamas bleibt, ungeachtet der Aktivitäten ihres militärischen Flügels, eine populäre politische Partei", heißt es in dem Aufruf. Der Dialog mit den politischen Vertretern der Hamas sollte deshalb nicht länger verweigert werden. Dieser Austausch müsse die Forderung nach einer Anerkennung Israels im Rahmen eines Friedensabkommens einschließen.

Beim Wiederaufbau des Gazastreifens solle Deutschland von Israel Kompensationen für die Zerstörung ziviler Infrastruktur einfordern, die seit Jahren mit Geldern der EU und Deutschlands finanziert werde. Zudem fordern die Experten eine kritischere Prüfung der Waffenausfuhren an Israel.

Zu den Erstunterzeichnern gehören Ulrike Freitag, Direktorin des Zentrums Moderner Orient in Berlin, und Udo Steinbach, Gründungsdirektor des Giga-Instituts für Nahost-Studien. Auch ehemalige Botschafter und führende Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung haben den Brief unterschrieben.