Die Demonstration stand unter dem Motto "Steh auf! Nie wieder Judenhass!". Eingeladen hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland, und etwa 5.000 Menschen kamen, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundespräsident Joachim Gauck, SPD-Chef Sigmar Gabriel und ranghohe Kirchenvertreter. Manche Teilnehmer schwenkten israelische Flaggen oder zeigten Transparente mit Aufschriften wie "Frieden" und "Schalom". Im Publikum saßen auch der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff und Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD).

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, sagte, die Juden in Deutschland hätten "wahrlich kein Sommermärchen erlebt". Mit Blick auf die Anfeindungen auf propalästinensischen Demonstrationen warnte Graumann: "Ich will nicht dramatisieren, aber das waren wirklich die schlimmsten antisemitischen Parolen seit vielen, vielen Jahrzehnten." In dieser Situation hätten sich die deutschen Juden "ein Stück mehr Gefühl, mehr Empathie" der Gesellschaft gewünscht.

Graumann kritisierte, der Antisemitismus sei häufig gerechtfertigt worden durch den Gaza-Krieg. "Was hat das eine mit dem anderen zu tun, wenn auf deutschen Straßen Juden als Schweine beschimpft werden?" Dies sei purer Antisemitismus: "Wer wegen Israel zum Antisemiten wird, der war längst einer." In den sozialen Netzwerken werde "kübelweise Hass gegen Juden ausgegossen".

Außerdem forderte Graumann die Vertreter der Muslime in Deutschland auf, stärker gegen Antisemitismus vorzugehen. Die schlimmsten judenfeindlichen Parolen seien von muslimischen Fanatikern gekommen. "Die muslimischen Verbände im Land müssen viel mehr tun, um den katastrophalen Judenhass in ihren eigenen Reihen zu bekämpfen. Muslime dürfen nicht zulassen, wenn radikale Islamisten ihre Religion missbrauchen, um Hass zu schüren." Viele Muslime in Deutschland dächten nicht so wie die Radikalen.

"Mittelalterlich anmutender Judenhass"

Prominente Teilnehmer der Demonstration gegen Antisemitismus, von links nach rechts: Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden, Bundespräsident Joachim Gauck, seine Lebensgefährtin Daniela Schadt, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff, Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier © Bernd von Jutrczenka/dpa

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, forderte: "Alle, Juden und Nichtjuden, stehen als ein Volk zusammen. Wir stehen gemeinsam gegen Intoleranz, gegen Fanatismus, gegen Antisemitismus." Der ansteigende Antisemitismus habe einen Schatten geworfen auf die Fortschritte in Deutschland in den vergangenen 70 Jahren. Diese Erfolgsgeschichte werde durch "mittelalterlich anmutenden Judenhass" wieder infrage gestellt. "Lassen wir diese Scharlatane nicht 70 Jahre guter Arbeit einfach zunichte machen."

Merkel verurteilte in ihrer Rede im Namen der Bundesregierung "jede Form von Judenfeindlichkeit in Deutschland und Europa auf das Schärfste". Dass heutzutage Menschen wegen ihrer Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben angepöbelt würden, "das ist ein ungeheurer Skandal". Sie betonte, dass die deutschen Behörden mit aller Härte gegen antisemitische Drohungen und Gewalt vorgingen: "Wir wollen, dass sich Juden in Deutschland sicher fühlen. (...) Jüdische Freunde, Nachbarn, Kollegen: Sie sind in Deutschland zu Hause."