Krisen und Kriege halten uns seit Monaten in Atem. Krim, Ukraine/Russland, Irak/IS, Syrien, Gaza, Libyen – der Schrecken nimmt kein Ende. Nur selten erreichen uns noch Meldungen aus der Innenpolitik: Die AfD verunsichert mit ihrem Wahlerfolg in Sachsen die CDU, eine bayerische Ministerin tritt wegen einer Modellauto-Affäre zurück, die Grünen beharken sich

Wie angenehm, dass es da wenigstens noch den ewigen Zoff um die Pkw-Maut gibt, das Lieblingsprojekt der CSU. Sonst wäre es gar zu langweilig im deutschen Spätsommerland. Und man müsste am Ende noch befürchten, dass die Parteien ihre politischen Kleingärten vergessen hätten.

Weil das Publikum aber selbst dieses Mini-Dauerbrenners müde geworden ist, inszenieren die Unionsparteien seit Wochen einen internen Zwist um Ausmaß und Wirkung des geplanten Wegezolls. Werden österreichische und holländische Urlauber womöglich einen Bogen um unser schönes Land machen? Werden Hoteliers und Tankstellenpächter in Grenznähe reihenweise Insolvenz anmelden? Brauchen wir auch eine Maut für Modellautos? Und was sagt die EU zu alldem?

Ach, welch glückliches Land, das sich in solchen Zeiten keine anderen Sorgen macht! Was sind schon all die Toten, russische Truppen in der Ostukraine und ein drohender Völkermord im Nordirak gegen die Scharmützel um die verkorksten Pläne des wackeren Verkehrsministers Dobrindt?

Sein CSU-Chef Horst Seehofer droht angeblich sogar damit, alle weiteren Vorhaben der großen Koalition zu blockieren, wenn die Maut nicht kommt. Oje! Da muss man sich ja wirklich Sorgen machen.

Allerdings wohl weniger um einen Stillstand in der deutschen Innenpolitik, als einen in den Köpfen von Politikern, die an so etwas auch nur denken. Und wir können uns ansonsten wieder mit wichtigeren Dingen beschäftigen.