Sachsens CDU-Chef und Ministerpräsident Stanislaw Tillich will der SPD Koalitionsverhandlungen anbieten. Einen entsprechenden Beschluss werde er dem Landesvorstand der Union empfehlen, sagte er. Der Parteivorstand wollte noch am Abend zusammenkommen. Die CDU, die bei der Landtagswahl am 31. August erneut stärkste Kraft in Sachsen geworden war, hatte in den vergangenen beiden Wochen Sondierungsgespräche mit SPD und Grünen geführt.

Die CDU war bei der Landtagswahl auf 39,4 Prozent gekommen. Da ihr bisheriger Koalitionspartner FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, muss sie sich einen neuen Partner suchen. Eine Koalition mit der SPD mit dem Landes- und Fraktionsvorsitzenden Martin Dulig brächte der CDU eine komfortable Mehrheit. Im 126 Sitze zählenden Landtag könnte Schwarz-Rot auf 77 Abgeordnete bauen.

Die Grünen hatten sich zuvor gegen Koalitionsverhandlungen ausgesprochen. Solche Gespräche seien nur sinnvoll, wenn "Aussicht auf eine für beide Seiten mehrheitsfähige Vereinbarung besteht", hieß es in einem Beschluss des Landesvorstandes. Vor allem in der Energiepolitik gebe es keine ausreichende Basis für ein Regierungsbündnis, sagten die Landesvorsitzenden Claudia Maicher und Volkmar Zschocke. Ein Landesparteitag in Leipzig befasst sich am Samstag abschließend mit dem Thema.

Die Grünen resümieren jedoch, dass es zuvor "noch nie ernsthafte Sondierungsgespräche" zwischen CDU und Grünen gegeben habe. Solche Gespräche seien gut für die Demokratie. Diskurse zwischen Milieus und politischen Lagern "könnten helfen, den Abstand zwischen Menschen und Landespolitik zu verringern".

Wegen des Widerstands der Mehrheit der Landes-Grünen gegen Schwarz-Grün hatte Fraktionschefin Antje Hermenau bereits angekündigt, auf ihren Posten zu verzichten. Viele Gegner artikulierten sofort Zustimmung, als der Beschluss des Landesvorstands öffentlich wurde.

Die Grüne Jugend Sachsen erläuterte ihre kritische Position noch einmal ausführlich: "Es ist an der Zeit, die schwarz-grüne Irrfahrt zu beenden", hieß es im Hinblick auf derartige Überlegungen und wohl auch auf die schwarz-grüne Koalition in Hessen. Am Samstag soll ein Landesparteitag über die Ablehnung der Koalitionsgespräche befinden. Die notwendige Mehrheit gilt als sicher.