Die harten Fakten:

Hauptstadt: Erfurt
Einwohner: 2,2 Millionen Einwohner, erstmals zogen 2013 wieder mehr Menschen zu als fort
Fläche: mit 16.171 Quadratkilometern fast so groß wie Sachsen (etwa siebenmal das Saarland)
Wirtschaftsleistung (BIP pro Einwohner): Im Ranking der etwa gleich starken ostdeutschen Länder an vorletzter Stelle, die Löhne steigen im Bundesvergleich allerdings am stärksten.

Die Politik:

Derzeit regiert die CDU von Christine Lieberknecht gemeinsam mit der SPD von Heike Taubert, die Linke von Bodo Ramelow, die Grünen und die FDP bilden die Opposition
Jüngste Umfrage: CDU: 34 Prozent, Linke: 28, SPD: 16, Grüne: 5, FDP: 3, AfD: 7, NPD: 4
Dass Parteienneuling Alternative für Deutschland (AfD) ins Parlament einzieht, ist damit ähnlich sicher wie zur Sachsen-Wahl. Dass die FDP rausfliegt, ebenso. Interessant wird, woher die AfD-Stimmen kommen werden: In Sachsen hatte die CDU am stärksten eingebüßt. 

Worum geht es? Ramelow oder Lieberknecht! Den Umfragen nach könnten Linke, SPD und Grüne die CDU nach 24 Jahren aus der Regierung kegeln. Doch werden sich die SPD-Mitglieder wirklich auf Ramelows Linke einlassen, die einige noch immer als Relikt der kommunistischen DDR betrachten? Die SPD will nach Sondierungsgesprächen die Mitglieder über diese Frage abstimmen lassen. Als Alternative könnte sie das Bündnis mit der CDU fortsetzen.

Darüber redet das Land:

Die Versorgungsskandale: CDU-Ministerpräsidentin Lieberknecht entließ ihren Sprecher Zimmermann in den Ruhestand, obwohl der einen Führungsposten in der Wirtschaft in Aussicht hatte. Staatskanzleichef Gnauck beschäftigte eine Sekretärin über eine Zeitarbeitsfirma – zu üppigem Gehalt, weswegen die Justiz ermittelt. Und Ex-Wirtschaftsminister Machnig zahlt mittlerweile die Doppelbezüge zurück, die er jahrelang erhielt, weil er mal Staatssekretär in Berlin war.

Bemerkenswerte Forderung: Lehrer sollen durch "effiziente pädagogische Maßnahmen" die lernwilligen Schüler vor jenen bewahren, "die den Unterricht immer wieder stören"(Wahlprogramm der AfD, S. 10). Welche Maßnahmen das sein könnten, ließ die Partei offen.

Bemerkenswertester Wahlslogan: "Wir sind dann mal weg", was sich als Selbstironie der FDP auslegen lässt, obwohl sie es anders meint. Mit einem ähnlich hintersinnigen Slogan ("Ihr Auto würde uns wählen") scheiterte die Partei in Sachsen.

Was Thüringen ausmacht:

Das Land liegt zentral als Bindeglied zwischen dem Osten und dem Süden, folgerichtig liegt hier auch der Mittelpunkt Deutschlands – je nach Berechnungsmethode bei Niederorla oder etwas daneben. Wie jedes Bundesland nimmt auch Thüringen in Anspruch, die Welt mit Einzigartigem bereichert zu haben: Carl Zeiss eröffnete in Jena die nach ihm benannte Fabrik für optische Linsen und Mikroskope. Friedrich Fröbel gründete im thüringischen Bad Blankenburg 1840 den ersten Kindergarten, August Bebel und Wilhelm Liebknecht 1869 in Eisenach die Sozialdemokratische Arbeiterpartei – die später zur SPD wurde. Auch die Erfindung des Weihnachtsbaumes beanspruchen die Thüringer für sich, folgerichtig wurde auch die erste Christbaumkugel hier geblasen – in Lauscha, wo auch das erste Glasauge entstand. Noch nicht genug? Das Altenburger Skatblatt ist weltberühmt. Rainald Grebe hat noch mehr Nennenswertes parat:  

Thüringens Kultur:

Landeshymne: Thüringen ist eigentlich hymnenlos. Unter alteingesessenen Thüringern total populär ist das Rennsteiglied von 1951, hier mit seinem Komponisten Herbert Roth, es gilt als inoffizielle Landeshymne. Und dann gibt es noch den Hymnus Thüringen, holdes Land, was aber laut Auskunft eines Thüringers kaum ein Thüringer kennt.

Landesslogan: Muss noch gefunden werden. Chancen hätte: "Hier hat Zukunft Tradition", was die Regierung neben ihr Wappen schreibt. Werbekampagnen: "Das ist Thüringen" oder "Sie haben ihr Ziel erreicht" – das war schon auf Schildern an der Autobahn zu lesen.

(Der TV-Moderator und Dresdner Opern-Bassist Gunther Emmerlich kündigt das Rennsteiglied an.)

Was Thüringen ausmacht:

Auf der Wartburg warf Martin Luther ein Tintenfass nach dem Teufel – so die Legende – und übersetzte die Bibel, was eine Tatsache ist. Johann Sebastian Bach wurde zwar in Sachsen berühmt, ist aber in Thüringen aufgewachsen: In Eisenach geboren, in Ohrdruf und Weimar brachte er sich das Komponieren bei und lernte musizieren, in Arnstadt begann der Kirchenmusiker sein Berufsleben. Stolz sind die Thüringer auch auf Max Weber, den Sozialwissenschaftler, geboren in Erfurt. Oder auf das weltbekannte Porzellan aus Kahla. Und natürlich auf Goethe und Schiller. Der Erbauer der Brooklyn-Bridge ist übrigens ein Thüringer: Johann August Röbling, der Pionier des Stahlbrückenbaus, stammt aus Mühlhausen. 1964 kam Heike Drechsler  zur Welt, 1992 sprang sie erstmals zu Olympia-Gold. Und die Erfurter Eisschnellläuferin Gunda Niemann-Stirnemann gilt als die erfolgreichste der Geschichte. 

Schon mal von Mutschekiepchen oder Hitsche gehört? Weniger hart als das Sächsische ist der Thüringer Dialekt – der sich hier erleben lässt. 

Essen in Thüringen:

Weitgehend unterschätzt: Der Prophetenkuchen, eine Thüringer Spezialität. Liebevoll von Oma erklärt in diesem verfilmten Rezept:


Abgöttisch verehrt: Die Rostbratwurst (Achtung, nicht: Bratwurst). Bei Kontakt mit Thüringern beachten: Sie wird gebraten, nicht gegrillt. Nicht unbedingt innovativ, aber von Freunden deftiger Küche geschätzt sind die Thüringer Klöße  – aus rohen und gekochten Kartoffeln.

Dass in einigen Gegenden Thüringens auch Hunde gegessen werden, glaubt allerdings nur Rainald Grebe. Was möglicherweise auch für die Thüringer Küche spricht: In Suhl stand einst die erste McDonald's-Filiale Deutschlands, die mangels Kunden schließen musste. 

So war es früher hier:

Das Land war in Herzogtümer zersplittert. Erst 1918 dankten die Regenten ab. Zu Zeiten der DDR arbeiteten viele Thüringer im volkseigenen Jagdwaffen- und Fahrzeugwerk Suhl, dessen Waffensparte heute zu einem Konzern in Abu Dhabi gehört. In ihre Betriebe fuhren viele mit dem Moped Schwalbe aus Suhl, und Radio hörte der Osten mit Geräten vom VEB Sternradio Sonnberg. Bis 1988 schufen die Glockengießer von Apolda klingende Kolosse aus Bronze.

So ist es heute hier:

Schauspieler, Autor und Musikfachmann Markus Kavka hält Thüringen für ein DJ-Paradies: "Die Partys im Osten, besonders in Thüringen", seien einfach die besten. Das passt zur Universitätsmetropole Jena, die Stadt an der Autobahn A4 ist voller junger Menschen. Viele Forschungsunternehmen sitzen hier. Und die Linsen-Fabrik von Carl Zeiss hat Lothar Späth als Jenoptik AG an die Börse gebracht. Echtes Weltmeister-Feeling lässt sich im Winter in der Skisportregion Oberhof erleben.

Außerdem gibt es hier immer mehr Autobahnen und Bundesstraßen. Besonders stolz sind die Thüringer auf ihre Thüringer-Wald-Autobahn mit den vielen langen Tunneln und hohen Brücken. 

Was toll ist:

– Der Rennsteig, der Thüringer Wald, die Fachwerkhäuser in den Tälern
– Die Drei Gleichen – mittelalterliche Burgen, die sich malerisch auf drei nebeneinanderliegenden Bergkuppen erheben 
– Wer wissen will, warum der Wald der Sehnsuchtsort des Menschen ist, sollte das Weltnaturerbe Hainich besuchen. Wer nicht nur Ruhe will, sondern das auch noch in einer prachtvollen Landschaft, sollte nach Thüringen fahren. 

Was schlimm ist:

– Das Gauforum Weimar, ein 40.000 Quadratmeter-Protz-Ensemble der Nazis nach Ideen Hitlers  
– der Stau freitags auf der zweispurigen A9
– die Neonazis, etwa in Kirchheim bei Erfurt wo, die NPD ihre Versammlungen abhält, weil sie anderswo keine Versammlungsräume bekommt. Und das Rechtsrock-Festival Rock für Deutschland in Gera.