Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) sieht die deutsche Wirtschaft trotz sinkender Wachstumsprognosen in relativ guter Verfassung. In einer schwierigen Weltkonjunktur sei Deutschland immer noch gut aufgestellt, sagte der Minister in der ZDF-Sendung Berlin direkt. Zwar werde das Wachstum der deutschen Wirtschaft "deutlich unter den Prognosen bleiben". Trotzdem würden im laufenden Jahr mehr als 300.000 neue Arbeitsplätze entstehen, die meisten davon sozialversicherungspflichtig.

Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hatten ihre Wachstumsprognose für 2014 in ihrem Herbstgutachten von 1,9 Prozent auf 1,3 Prozent gesenkt und die niedrigeren Erwartungen unter anderem mit der Einführung des Mindestlohnes und der Rentenpolitik der Bundesregierung begründet. 

Diese Kritik wies der Wirtschaftsminister zurück. Die Wirtschaftswissenschaftler wiederholten in ihren Prognosen nur die Vorbehalte, die sie schon vor der Verabschiedung der kritisierten Maßnahmen geäußert hätten. Der Einfluss von Mindestlohn und Rentenreform könne erst beurteilt werden, wenn die Regelungen in Kraft getreten sind.

Gründe für das geringere Wachstum sieht der Wirtschaftsminister in der schwächelnden Weltkonjunktur. Die exportorientierte deutsche Wirtschaft sei darauf angewiesen, dass sich andere Länder deutsche Produkte leisten könnten. Auch seien die Krisen in der Ukraine und im Irak in früheren, optimistischeren Prognosen nicht absehbar gewesen. 

Als zentrales Problem bezeichnete Gabriel die "dramatische Wachstumsschwäche" im europäischen Ausland. "Es reicht nicht, diese Staaten ständig aufzufordern zu sparen, sondern wir brauchen mehr Wachstum", sagte Gabriel. Es sei ein Irrtum, "wenn wir jetzt so tun, als ob die Probleme der Wirtschaft alleine behoben werden können".