Wenn sein Spindoktor verhindert ist, geht Mike Mohring schon mal persönlich an dessen Telefon. Wer am Freitagmorgen die Nummer der Pressestelle der Thüringer CDU-Fraktion wählt, bekommt den Chef der Abgeordneten an den Hörer. "Mohring?!", ruft es erwartungsvoll. Er versteckt sich wirklich nicht vor Journalisten in diesen turbulenten Tagen.

Kurz vor der Ministerpräsidenten-Wahl, die für den 5. Dezember angesetzt ist, gibt es einige Aufregung in Erfurt.  Nicht nur, weil an diesem Tag mit Bodo Ramelow mutmaßlich ein Linker erstmals Regierungschef wird. Sondern auch, weil die CDU angekündigt hat, für die Wahl im Landtag einen Gegenkandidaten aufzustellen. Der ehrgeizige Mohring gilt als aussichtsreiche CDU-Personalie. Er bekam allerdings sogleich Beifall von eher unangenehmer Seite.

Mohring sei ein "junger Stürmer und voll im Saft", so formulierte es der Vorsitzende der neu gegründeten AfD-Fraktion im Landtag, Björn Höcke in der ZEIT. Er könne sich gut vorstellen, dass der CDU-Mann bei der Ministerpräsidentenwahl alle elf Stimmen der Alternative für Deutschland auf sich vereinen könne. Das kann die CDU nicht wollen – eigentlich. Wird doch seit Wochen von der Bundespartei die Devise ausgegeben, sich von der AfD fernzuhalten.

"Die AfD kann für uns kein Partner sein"

Dass der AfD-Politiker Höcke den CDU-Mann Mohring super findet, hatte er auch schon mehrfach im Wahlkampf gesagt. In der Thüringen-CDU sind außerdem manche der Ansicht, dass Ramelows Gegenkandidat am besten für die Opposition in ihrer gesamten Breite wählbar sein müsse, also auch die AfD. Der Generalsekretär der Thüringer CDU, Mario Voigt, spricht von der letzten Chance, Rot-Rot-Grün zu verhindern. Die Aufregung über eine mögliche Wahlhilfe durch die AfD brach also nicht ohne Vorwarnung auf die Thüringer Christdemokraten herein.

Sollte die CDU ihren Fraktionschef zu Beginn der kommenden Woche wirklich als Kandidaten aufstellen und dieser bei der Ministerpräsidentenwahl von der Protestpartei unterstützt werden, so hätte die Partei sehenden Auges einen Tabubruch begangen.

"Die AfD kann für uns kein Partner sein, das gilt für den Bund und in den Ländern", hatte der Berliner CDU-Generalsekretär Peter Tauber noch vor wenigen Wochen gesagt. "Wir fahren klaren Kurs der Abgrenzung", ist ein weiteres Zitat von ihm. "Die AfD ist gegen die Westbindung und will den Euro abschaffen. Wer mit der AfD zusammenarbeiten will, tritt somit das politische Erbe Konrad Adenauers und Helmut Kohls mit den Füßen." Das war vielleicht der schärfste Hinweis darauf, dass die CDU-Spitze bei der Alternative für Deutschland keinen Spaß versteht.

Peter Tauber bereitet derzeit den CDU-Parteitag in Köln vor, der wenige Tage nach der Thüringer Wahl stattfinden wird. Er hat sich noch nicht zu den Spekulationen über Mohring geäußert. In Berlin will man die Dinge offiziell erst kommentieren, wenn sie Fakt  geworden sind, wenn also die Thüringer CDU einen Kandidaten benennt. Es sei allerdings weiterhin die "einhellige Linie der CDU-Spitze, dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD" geben wird, heißt es aus der Parteizentrale. Der Generalsekretär sei in guten Gesprächen mit den Thüringern, das sei ja auch normal nach Wahlkämpfen und vor der Regierungsbildung in einem Land.