Der Bundestag hat eine Änderung des Baurechts beschlossen, die den Bau neuer Asylbewerberheime auch in abgelegenen Gewerbegebieten ermöglicht. Das Parlament billigte eine entsprechende Gesetzesinitiative aus dem Bundesrat. Erleichtert wird zudem die Nutzung von Bürohäusern und Gewerbeimmobilien als Flüchtlingsheime.

Die Hilfsorganisation Pro Asyl warnte, diese Änderung des Baurechts führe zu einer Ausgrenzung von Asylbewerbern. "Ihre Integration wird behindert, wenn sie in Unterkünften in Gewerbegebieten untergebracht werden", sagte Pro-Asyl-Geschäftsführer Günter Burkhardt. Es sei außerdem zu befürchten, dass aus derartigen Notlösungen auch Dauerlösungen werden könnten.

Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) sagte, man wolle die Betroffenen nicht in Industriegebiete abschieben. "Aber es gibt Gewerbegebiete, die sich dafür eignen – und da dürfen wir keine unüberwindbaren Hürden zulassen." Die Regelungen sind vorerst bis 2019 befristet.

Allein in den ersten neun Monaten des Jahres beantragten in Deutschland mehr als 130.000 Menschen Asyl – mehr als im gesamten Vorjahr. Viele Städte und Gemeinden sind von dem Ansturm überfordert und bringen die Flüchtlinge zum Teil in Containern und Zelten unter. Recherchen des Mediendienstes Integration ergaben jedoch, dass die Erstaufnahmestellen nicht überall im Bundesgebiet überlastet sind. Demnach stehen in manchen Ländern Heime mit Platz für mehr als 3.000 Menschen zur Verfügung.