Der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) kritisiert in seinem in Kürze erscheinenden Buch Aus Sorge um Europa die Finanzpolitik der rot-grünen Regierung unter seinem Nachfolger Gerhard Schröder (SPD). Schröder sei für die Schuldenkrise in Europa verantwortlich, schreibt der Altkanzler. Das berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) in ihrer neuen Ausgabe. Demnach habe laut Kohl die Nachfolgeregierung zwei schwere Fehler begangen: Sie habe Griechenland zu früh in die Euro-Zone aufgenommen und den Euro-Stabilitätspakt aufgeweicht.

"Beide Entscheidungen gehören zu den wesentlichen Fehlentwicklungen, die wir in der EU, im Euroraum, in einzelnen Mitgliedstaaten und darüber hinaus insgesamt erleben müssen und zu Recht beklagen", zitiert die FAS aus Kohls Buch. Der Altkanzler stellt es am Montag gemeinsam mit dem neuen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker in Frankfurt am Main vor. Kohl schreibt, diese misslichen Entwicklungen seien durch Fehlentscheidungen an den Finanzmärkten noch verstärkt worden.

Die Hauptkritik übt der langjährige Kanzler aber an Rot-Grün: "Was hier passiert ist, ist wirklich ein Schandstück deutscher Politik", schreibt Kohl dem FAS-Bericht zufolge. Damit meint er auch die Aufweichung des Stabilitätspakts. Deutschland hatte 2002 und 2003 die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Obergrenze für die Neuverschuldung überschritten – ein deshalb eigentlich vorgesehenes EU-Verfahren gegen die Bundesrepublik wurde aber ausgesetzt. 

Kohl bestreitet in dem Buch, dass Konstruktionsfehler beim Euro oder beim Bau Europas zur Schuldenkrise geführt hätten. Er sei froh darüber, "den Euro als feste Klammer für Europa zu haben". Die mit dem Euro verbundenen Hoffnungen für eine tiefere europäische Zusammenarbeit würden sich erfüllen, "wenn wir beim Euro Schritt für Schritt, aber schnellstmöglich wieder zu einer Gemeinschaft der Stabilität und der Rechtstreue zurückkehren", wird Kohl in dem Medienbericht zitiert.

Altkanzler Helmut Kohl betonte außerdem der FAS zufolge, dass unter seiner Führung Griechenland niemals von Anfang an in den Euroraum aufgenommen worden wäre. Das Land habe sich schon damals in einer Situation befunden, "die jedem, der genauer hinsah, nicht verborgen geblieben sein konnte, und an Warnungen hat es auch nicht gefehlt", schrieb Kohl. Nun müsse die EU aber solidarisch zu Griechenland stehen.