Der thüringische Linkenpolitiker Bodo Ramelow hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wegen ihrer Kritik an der geplanten rot-rot-grünen Koalition unter seiner Führung scharf kritisiert. "Merkel war in der sozialistischen Jugendorganisation FDJ. Sie hat in der DDR-Diktatur mit all ihren Widerwärtigkeiten gelernt, so um den eckigen Tisch herumzukommen, dass man fast den Eindruck hat, es sei ein runder Tisch gewesen", sagte Ramelow dem Spiegel. "Viele blaue Flecken scheint sie nicht gekriegt zu haben." 

Bei einem erfolgreichen Abschluss der Koalitionsverhandlungen in Thüringen soll Ramelow am 5. Dezember zum ersten Ministerpräsidenten der Linken gewählt werden. Die CDU-Vorsitzende Merkel hatte der Linkspartei vorgeworfen, sie stelle zu wenig klar, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei.

Auch die umstrittenen Einlassungen von Bundespräsident Joachim Gauck, die dieser in der Berliner Gethsemanekirche gemacht hatte und in denen er sein fehlendes Vertrauen in die Linken zum Ausdruck brachte, wies Ramelow scharf zurück. "Mich stört der Seelsorger Gauck", sagte Ramelow. "In dieser Inszenierung, vor einem Altar, vor Kerzen und Kreuzen, ist das für mich verletzend." Er bot Gauck jedoch ein Gespräch an. "Ich würde mir wünschen, er würde nicht nur Fragen stellen, sondern den Dialog dazu auch führen. Ich stelle mich gern einem Gespräch", sagte Ramelow.

Aussöhnung zwischen Partei und Opfern

Ramelow forderte von seiner Partei eine entschlossenere Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit. Das habe man "zeitweise schleifen lassen", sagte der 58-Jährige. Er leugne nicht, dass die DDR als Unrechtsstaat bezeichnet werden könne. "Auf gut Deutsch: Jedes kleine oder größere Arschloch im DDR-Apparat konnte in das Leben der anderen eingreifen. Das war entsetzlich."

Persönlich wolle er sich für eine Aussöhnung zwischen seiner Partei und Opfern der SED-Diktatur einsetzen. "Dass mit meiner Kandidatur bei manchen Opfern eine Retraumatisierung eingesetzt hat, nehme ich sehr ernst", sagte Ramelow.