Auch drinnen sind die Gespräche in der Mittagspause längst vom eigentlichen Thema der Konferenz abgekommen, dem deutsch-russischen Verhältnis. Bei Kartoffelsuppe und Currywurst erklärt eine Frau ihrer Bekannten, dass Impfungen in Wahrheit keine Krankheiten verhinderten, sondern der Dezimierung vor allem der afrikanischen Bevölkerung dienten. Die Umstehenden nicken.  

Um diesen geschützten Raum zu erhalten, in dem jede Meinung ausgesprochen werden darf, sei sie auch schwulenfeindlich oder antisemitisch, haben die Veranstalter die Presse ausgeladen. Ein Reporterteam der Bild wird von Ordnern unsanft aus der Empfangshalle gedrängt. Journalisten unerwünscht, die Veranstaltung sei privat, heißt es. ZEIT ONLINE hatte sich regulär als Teilnehmer akkreditiert, nach dem Übergriff auf die Journalisten aber darauf verzichtet, sich als Presse zu erkennen zu geben.

Dabei gibt es nicht wirklich Neues zu hören. Im Grunde vertreten die Redner nur immer wieder die These, Amerika versuche, Russland in einen Krieg zu verwickeln, um dessen Ressourcen an sich zu reißen und schließlich die Weltherrschaft zu erlangen. Der ehemalige Staatsrechtsprofessor Karl Albrecht Schachtschneider legt dar, warum die Annexion der Krim durch Russland völkerrechtlich einwandfrei verlaufen sei und eben gar keine Annexion sondern eine Sezession, also eine freiwillige Abspaltung gewesen sei. Und AfD-Landeschef Alexander Gauland findet sich plötzlich in der ungewohnten Rolle des moderatesten Redners des Tages wieder, weil er Sätze sagte wie: "Die USA sind nicht per se schlecht, aber sie haben außenpolitisch schwere Fehler gemacht."

Im Publikum kommen Zwischentöne jedoch nicht gut an. Zu nah liegt der Verdacht, dass sich da schon wieder einer vom System hat korrumpieren lassen. Gauland ist seit Kurzem Mitglied des brandenburgischen Landtags. Und die Wahrheit, das wissen die Teilnehmer der Konferenz genau, kennen nur sie. Wer etwas anderes sagt, lügt.