Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Volker Bouffier sieht die Entscheidung über die nächste Bundesregierung bei den Grünen. Im Interview mit der Welt am Sonntag sagte Bouffier, die Grünen würden derzeit damit ringen, ob sie sich als dritte Partei auf dem linken Flügel oder in der Mitte positionieren sollen. Die Entwicklungen in Hessen und Thüringen würden zeigen, "wohin die Reise in Deutschland geht". In Hessen bildet die CDU seit einem Jahr mit den Grünen eine Koalition, Thüringen wird seit wenigen Wochen von Linker, SPD und Grünen regiert.

Bouffier lobte die Zusammenarbeit mit den Grünen in seinem Land als sehr gut. "Wir haben uns, was die Sache und die Personen angeht, deutlich angenähert. Und wir lernen voneinander", sagte Bouffier. Dass er auf dem CDU-Parteitag Anfang Dezember mit 89,1 Prozent als stellvertretender Bundesvorsitzender wiedergewählt wurde, habe seiner Ansicht nach damit zu tun, dass er eine schwarz-grüne Regierung anführe.

Die CDU sei bereits nach der letzten Bundestagswahl auch für Schwarz-Grün auf Bundesebene offen gewesen. Nach dem "verheerenden Wahlergebnis" und dem Austausch ihrer Führungspersonen seien die Grünen aber noch nicht in der Lage gewesen, ein Bündnis mit der CDU einzugehen. "Jetzt haben wir eine Koalition mit den Sozialdemokraten, die ganz ordentlich läuft. Aber das ist keine Dauerlösung", so Bouffier.

Den ehemaligen Regierungspartner FDP, der 2013 nicht wieder in den Bundestag gewählt wurde, hat Bouffier nach eigenen Worten noch nicht abgeschrieben. Doch sei die FDP nun in einer Situation, in der es ihr schwerfalle, überhaupt wahrgenommen zu werden. Er sei skeptisch, ob sie sich so schnell wieder erhole.

Ein Bündnis mit der Alternative für Deutschland schloss der CDU-Vize vorerst aus. "Das ist ein wirrer Haufen, der Protest von allen Seiten aufnimmt." Daraus entwickele sich noch keine politische Gestaltung, so Bouffier.

Grüne warnen Bouffier vor dem Versuch, die Partei zu vereinnahmen

Die Co-Vorsitzende der Grünen Simone Peter äußerte sich ablehnend über eine Zusammenarbeit mit der CDU/CSU in Berlin: Schon nach der Bundestagswahl 2013 habe es "einfach keine Angebote in unsere Richtung, vor allem in der Klimapolitik" gegeben, sagte sie der Berliner Morgenpost. Eine Koalition mit SPD und Linken sei hingegen auch im Bund eine Option. "Das hängt nicht zuletzt von der Entwicklung der Linkspartei ab", sagte Peter. Entscheidend sei, ob die Linke Verantwortung auch in der Außen- und Europapolitik übernehmen wolle.

Cem Özdemir, der zweite Co-Vorsitzende der Grünen, warnte Bouffier vor dem Versuch, die Grünen zu vereinnahmen. Die nächste Bundestagswahl "als ideologischen Rechts-Links-Streit umzudeuten, geht doch an der gesellschaftlichen Realität dieses Landes vorbei", sagte er der Welt. Länderkoalitionen wie die in Hessen hätten nur bedingt Vorhersagekraft für den Bund. Die Grünen seien bereit zu regieren, "aber dafür werden wir uns weder verbiegen noch uns damit begnügen, für ein bisschen grüne Dekoration zu sorgen".