Die CSU hat ihre Forderung abgeschwächt, wonach Zuwanderer in der Familie Deutsch sprechen sollten. In dem neu formulierten Leitantrag für den Parteitag Ende der Woche heißt es nun: "Wer dauerhaft hier leben will, soll motiviert werden, im täglichen Leben Deutsch zu sprechen." Bisher lautete die Passage: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen." In der Politik gab es viel Widerspruch, im Internet erntete die Forderung erheblichen Spott.

Auch in den eigenen Reihen hatte es deutliche Kritik gegeben. CSU-Vize Peter Gauweiler sagte, der Antrag sei missverständlich formuliert worden. Die Vorsitzende der Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, verlangte, die Formulierung zu überdenken, wenngleich der Grundgedanke aber richtig sei. "Es ist unbestritten, dass Sprache für Integration das Allerwichtigste ist." Die Aufforderung, in der Familie Deutsch zu sprechen, will Hasselfeldt nicht als Pflicht, sondern als "Motivation und Anregung" verstanden wissen. Die stellvertretende bayerische Ministerpräsidentin Ilse Aigner (CSU) hatte mit Verweis auf ihren Heimatdialekt ebenfalls Änderungen gefordert: "Bei uns zu Hause wird auch bayerisch gesprochen".

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz nannte den ursprünglichen CSU-Antrag "sehr rückwärtsgewandt" und "gefährlich". Die Forderung, dass Zuwanderer in der Öffentlichkeit und zu Hause Deutsch sprechen sollten, widerspreche zudem allen wissenschaftlichen Erkenntnissen, sagte die SPD-Politikerin im ZDF. Diese besagten nämlich: "Eltern sollen mit ihren Kindern die Sprache sprechen, die sie am besten können. Sie sollen die Sprachfähigkeit der Kinder fördern. Dann wird auch besser Deutsch gelernt." Sie frage sich auch, wie so etwas überhaupt durchgesetzt werden solle, sagte Özoğuz weiter. "Soll sich da ein Polizist zu Hause hinstellen und immer überwachen, was da geredet wird?"

Die Türkische Gemeinde in Deutschland sprach von einer "menschenfeindlichen" Forderung. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse "diesem Unsinn ein Ende bereiten", forderte der Verband. Der CSU-Vorstoß fördere Aversionen gegen Migranten. "Mit diesem menschenfeindlichen, verfassungswidrigen, absurden Vorschlag mag die CSU möglicherweise Wähler*innen der AfD und von rechtsextremen Parteien beeindrucken, der Demokratie erweist die CSU jedoch einen Bärendienst."

Merkel äußerte sich in der Debatte zurückhaltend. "Gute Deutschkenntnisse gehören zur Integration dazu", sagte die Kanzlerin. "Allerdings ist es auch kein Fehler, wenn Kinder zum Beispiel zweisprachig aufwachsen und eine Fremdsprache weniger lernen müssen. Ich halte das insgesamt für einen Vorteil."