"Jede Entscheidung wird darauf abgeklopft, ob sie mit unseren Werten im Einklang steht", versichert Seehofer seinen Kritikern deswegen. Stromtrassen seien aber kein Markenkern einer bürgerlichen Partei. An seinem Politikstil will er jedenfalls nichts ändern. Die Koalition mit den Bürgern sei vielmehr der zweite Teil seiner Handschrift, betont er.

Der dritte Aspekt seiner Handschrift richtet sich vor allem an eine Frau, die gar nicht da ist. Zwar wird Seehofer nicht müde, CDU-Chefin Angela Merkel als herausragende Kanzlerin zu preisen. Mit ihr als Spitzenkandidatin werde für die Union bei der Wahl 2017 wohl sogar noch mehr drin sein als beim letzten Mal, die absolute Mehrheit also. 

Doch ein einfacherer Koalitionspartner will Seehofer auch in Zukunft nicht werden. "Bayern zuerst" werde auch künftig die Devise bleiben. Auch die Projekte, bei denen sich das erweisen soll, benennt Seehofer klar: Bei der Energiewende und beim Länderfinanzausgleich drohen im Bund wohl harte Verhandlungen mit der CSU.

Lob für Söder

Eine andere Frage, die die Partei umtreibt, kommt in seiner Rede dagegen gar nicht vor. Schließlich hat Seehofer angekündigt, bei der kommenden Landtagswahl 2018 nicht mehr antreten zu wollen. Über die seither schwelende Nachfolgerdebatte verliert Seehofer jedoch kein Wort. Auffällig ist allerdings, dass er diesmal für Finanzminister Markus Söder ausgesprochen lobende Worte findet. "Dein Haushalt ist super-super", sagt er. Söder gilt als einer der aussichtsreichsten Nachfolgeaspiranten. Seehofers Verhältnis zu ihm ist allerdings spannungsreich.  

Die Kronprinzessin Nummer zwei, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner, wird dagegen weniger deutlich gelobt. Sie hat die schwierige Aufgabe, den von Seehofer eingeleiteten Energiedialog zu moderieren, mit dem er den bayerischen Kurs in der Energiewende festlegen will. Aigner wird in Seehofers Augen wohl nur dann reüssieren, wenn sie dabei vollumfänglich das Prinzip "Bayern zuerst" verwirklicht.  

Spannend dürfte in dieser Frage der Parteitag im kommenden Jahr werden. Dann werden nämlich sowohl Seehofer als auch der gesamte Vorstand, darunter Aigner und Söder, neu gewählt. Ihr Abschneiden dürfte für die  Frage, wer in der CSU künftig den Hut auf hat, vorentscheidend sein.