In der von Spott begleiteten Debatte über einen Vorstoß der CSU zur Deutschpflicht in Familien gehen die Meinungen in der Schwesterpartei CDU auseinander. Der stellvertretende Bundesvorsitzende Thomas Strobl hält nichts von der Forderung, nach der Zuwanderer auch zu Hause Deutsch sprechen sollen. "Mein Verständnis von christdemokratischer Politik ist, dass wir uns zu dem, was in den vier Wänden einer Familie passiert, in äußerster Zurückhaltung üben", sagte er. "Privat bleibt privat." Zugleich machte Strobl klar, dass seiner Meinung nach jedes Kind, das in die Grundschule kommt, ausreichend deutsche Sprachkenntnisse haben müsse. "Hier müssen die Eltern ihrer Verantwortung gerecht werden", sagte er der dpa.

In einem Entwurf für einen Leitantrag zum CSU-Parteitag am kommenden Wochenende in Nürnberg heißt es: "Wer dauerhaft hier leben will, soll dazu angehalten werden, im öffentlichen Raum und in der Familie deutsch zu sprechen." Der CSU-Vorstand will an diesem Montag über die Leitanträge beraten.

Ähnlich wie Strobl äußerte sich auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Spahn. "Von staatlicher Sprachkontrolle zu Hause halte ich nichts. Es schadet nicht, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen", sagte er der Passauer Neuen Presse. CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte sich schon am Wochenende geäußert. Seiner Ansicht nach gehe es die Politik nichts an, welche Sprache er zu Hause spreche, schrieb er auf Twitter, ob lateinisch, klingonisch oder hessisch.  

Vorsichtigen Beistand bekam die CSU hingegen vom Vorsitzenden des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU). "In dem Antrag der CSU geht es erkennbar nicht um die Einführung einer Rechtspflicht, zu Hause deutsch zu sprechen, das entscheidet ohnehin jede Familie individuell. Sondern um die Betonung der Bedeutung von Sprachkenntnissen für eine erfolgreiche Integration, insbesondere von Kindern", sagte er der Zeitung.   

Seehofer will Passage prüfen

CSU-Parteichef Horst Seehofer will sich die entsprechende Passage in dem Leitantrag noch einmal ansehen. "Ich schaue mir das an. Für unsere Grundlinie lautet meine Vorgabe: eine integrationsfreundliche Politik", sagte Seehofer dem Münchner Merkur. Integration führe über Sprache, über Bildung – miteinander leben, nicht nebeneinander, sagte der CSU-Chef. Auch die CSU-Landeschefin Gerda Hasselfeldt sieht Gesprächsbedarf. Der Grundgedanke des Leitantrags sei zwar in Ordnung. "Die Reaktion zeigt aber: Das kann missverstanden werden." Laut der Zeitung könnte die Passage nach Informationen aus Parteikreisen noch ergänzt werden.   

Der Generalsekretär der CSU hingegen bleibt bei seinem Vorstoß. Für die CSU gelte der Grundsatz, dass die deutsche Sprache der Hauptschlüssel zur Integration sei, sagte Andreas Scheuer. "Da kann doch keiner was dagegen haben", sagte er ebenfalls der Passauer Neuen Presse.