Der frühere SPD-Abgeordnete Sebastian Edathy hat zehn Monate nach seinem Untertauchen den einstigen BKA-Chef Jörg Ziercke beschuldigt: Im Zusammenhang mit strafrechtlichen Ermittlungen wegen Kinderpornografie gegen ihn warf er dem früheren Präsidenten des Bundeskriminalamts indirekt Geheimnisverrat vor. Er gehe davon aus, dass Ziercke wollte, dass er über die Ermittlungen informiert sei, sagte Edathy in seinem ersten öffentlichen Auftritt nach Bekanntwerden der Vorwürfe.

Edathy zitierte dies aus seiner eidesstattlichen Erklärung über ein Gespräch zwischen ihm und dem SPD-Politiker Michael Hartmann. Demnach habe das SPD-Mitglied Ziercke seinen damaligen Vertrauten Hartmann gezielt informiert – möglicherweise, um Schaden von der SPD abzuwenden. Ziercke sei von sich aus auf Hartmann zugekommen.

Auch dem heutigen SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann machte er Vorwürfe. Dieser habe versucht, ihn zum Verzicht auf sein Bundestagsmandat zu bewegen. Dafür habe er den Innenpolitiker Hartmann benutzt, der laut Edathys Darstellung über die strafrechtlichen Ermittlungen gegen ihn informiert war. Er sollte ihn demnach zum Rückzug bewegen. "Thomas Oppermann wusste sehr wohl, dass Michael Hartmann im Bilde war", sagte Edathy. "Er wollte ihn instrumentalisieren, um mich zur Aufgabe meines Bundestagsmandates zu bewegen." Es habe eine entsprechende Ansprache gegeben.

Edathy hatten wegen der Ermittlungen mehrfach Kontakt mit Hartmann, unter anderem per SMS. Nach seinem Mandatsverzicht habe sich Oppermann persönlich per Kurznachricht bei ihm gemeldet und ihn zu seiner "richtigen Entscheidung" beglückwünscht, sagte Edathy.

Er warf dem heutigen SPD-Fraktionschef zudem vor, im Februar die Öffentlichkeit falsch informiert zu haben. Erst durch die Mitteilung Oppermanns vom 13. Februar 2014 hatte die Öffentlichkeit erfahren, dass der CSU-Innenminister Hans-Peter Friedrich im Oktober 2013 SPD-Chef Sigmar Gabriel über mögliche Kinderpornografie-Ermittlungen gegen Edathy informiert hatte. "Wir waren uns einig, dass der Text nicht der Wahrheit entspreche", schreibt Edathy in seiner eidesstattlichen Erklärung. Hartmann habe damals vorab einen Entwurf der Erklärung besessen und noch intervenieren wollen. "Am Folgetag musste ich aber zur Kenntnis nehmen, dass dies – falls geschehen – offenkundig nicht erfolgreich war, heißt es in Edathys Erklärung.

In dem etwa zweistündigen Pressegespräch bedauerte Edathy die Auswirkungen der Ermittlungen gegen ihn. "Ich habe viele Menschen enttäuscht, nicht nur in meinem ehemaligen Wahlkreis, sondern auch in andern Teilen der Bundesrepublik. Das tut mir aufrichtig leid", sagte er. Nicht alle Äußerungen von ihm seien glücklich gewesen, sagte er. Edathy ist wegen Besitzes von Kinderpornografie angeklagt. Der Prozess soll in wenigen Wochen beginnen.   

Er wolle sich nicht zu dem gegen ihn laufenden Verfahren äußern, sagte der SPD-Politiker. Er kündigte aber eine aktuelle eidesstattliche Versicherung zu seinem Fall an. Sie solle am frühen Nachmittag verteilt werden, wenn im Bundestag der Edathy-Untersuchungsausschuss zusammentritt, in dem der Politiker selbst Rede und Antwort stehen will.


Edathy war unter Druck geraten, weil er bei einem kanadischen Versand Nacktbilder von Kindern bestellt hatte. Angeklagt ist er wegen des Downloads kinderpornografischer Filme. Edathy beharrte auf seiner Sichtweise, dass die von ihm gekauften Materialien nicht strafwürdig seien. Auf Fragen zur moralischen Komponente des Erwerbs von Kinder-Nacktbildern antwortete er zunächst, "es war sicherlich falsch, diese Filme zu bestellen". Auf die Frage, warum er die Nacktbilder von Kindern für harmlos halte, beharrte er darauf, Juristisches und Moralisches zu trennen, sagte dann aber: "Es war moralisch nicht in Ordnung", wie er sich verhalten habe.