Deutschland bleibt von ausländischen Energielieferanten abhängig – vor allem von Russland. Das Land sorgt für etwa ein Drittel der Importe von Erdöl und Erdgas, heißt es im Situationsbericht der Bundesanstalt für Rohstoffe (BGR) in Hannover, aus dem die dpa vorab zitiert. Vergangenes Jahr stammten demnach nur noch zwei Prozent des Erdöls und zwölf Prozent des Erdgases in Deutschland aus inländischer Förderung, weil heimische Energiequellen zur Neige gehen. Öl und Gas sind aber Hauptenergieträger mit zusammen 55 Prozent Anteil. 

Die BGR schreibt, es sei "auch zukünftig von einem weiteren Anstieg der Importabhängigkeit Deutschlands bei den fossilen Energierohstoffen auszugehen".

Dem Bericht zufolge hängt Deutschland bei der gesamten sogenannten Primärenergie – also den natürlich vorkommenden begrenzten Quellen wie etwa Öl – erheblich von Importen ab. Nur bei Braunkohle, Atomenergie und den erneuerbaren Energien sei Deutschland Selbstversorger. Die drei Formen zusammen machen aber weniger als ein Drittel des Energieanteils aus. 

Fracking könnte Abhängigkeit reduzieren

Die Frackingtechnologie könnte das ändern. Allerdings ist die Methode, bei der mithilfe von Chemie Erdgas aus Schiefergesteinen gewonnen wird, umstritten. Die aktuelle Rohstoffstudie liest sich zurückhaltend. "Ob überhaupt und falls ja, wann die Produktion aus solchen Vorkommen erfolgen könnte, ist nicht absehbar", heißt es.

Bei der gesamten Rohstoffbilanz hält die BGR fest, dass Deutschland im vergangenen Jahr erstmals seit mehr als zehn Jahren weniger für seine Rohstoffimporte zahlte als im Vorjahr. 2013 wurden demnach mineralische Rohstoffe wie etwa Metall und Energierohstoffe im Wert von rund 142,8 Milliarden Euro eingekauft. Das war im Vergleich zu 2012 ein Minus von fünf Prozent. Der größte Teil der Kosten entfiel dabei auf die Energierohstoffe (70 Prozent). Die Finanzkrise 2009 bleibt in dieser Betrachtung als Ausnahme außen vor. 

Forderungen nach gemeinsamem Handeln in der EU

Die Abhängigkeit von Erdöl und Erdgas aus Russland ist nicht zuletzt aufgrund der Ukraine-Krise immer wieder ein Thema, auch in der Europäischen Union. Der damalige Energiekommissar Günther Oettinger hatte vor einigen Wochen eine Energieunion in Europa gefordert, um gegen Russland mit einer Stimme aufzutreten. Er stellt Forderungen auf, mit denen die Zusammenarbeit in der EU verändert werden solle. So sollten die Regierungen etwa gemeinsame Planungsverfahren einführen und sich bei Investitionsprogrammen zusammenschließen; ein gemeinsamer Energiemarkt müsse entwickelt und die Energiepolitik besser koordiniert werden.