Die sonst so kühle FDP-Parteizentrale in Berlin ist heimelig dekoriert: Bunte Pappfische hängen an der Wand, in einem Fischernetz. Darauf liberale Forderungen für den Hamburger Wahlkampf: Mehr Kitas! Für die Wirtschaft! Am 15. Februar heißt es schließlich Butter bei die Fische für die FDP. Die Trendwende schaffen. Endlich fünf Prozent holen.

Oberste Regel für magere Zeiten, in der Politik wie im Leben: Nicht nervös werden. Motiviert gucken. Sich neu definieren.

Die FDP hat zum "Hamburger Abend" eingeladen – zu einem dieser typischen Berliner Polit-Empfänge. Eine Reminiszenz an alte Zeiten. Dunkler Zwirn, wohin das Auge reicht. Sauren Hering gibt es und etwas Demut: Bei Weißwein räsonieren die verbliebenen Führungspersönlichkeiten der Liberalen darüber, wie es so ist in der außerparlamentarischen Opposition und mit der Aufmerksamkeitsschwelle. Sie ist kaum zu überwinden, trotz aller Versuche – keiner will Inhalte von der FDP. Die Journalisten interessiert nur das bunte Feature: Wie geht es der Partei heute? Wie sehr ist sie am Ende?

Sie sei nur am Ende ihrer Schock-Phase, versichern die Spitzenleute. Aber, schon klar, selten haben sie zuletzt mit so vielen Journalisten auf einmal gesprochen. Zehn sind gekommen, vielleicht 15. Sogar eine Kamera. Parteichef Christian Lindner sagt, er freue sich: Haben Sie schon das Wahlplakat für Hamburg gesehen? 

Selbst Frauen übernehmen den Altherrenhumor

Es wurde heute enthüllt und da steht sie nun – überlebensgroß: Katja Suding, die Hamburger Fraktionschefin und Spitzenkandidatin der Liberalen für die Landtagswahl kommendes Jahr. Stechender Blick, das Lächeln nur angedeutet. Und darunter der Schriftzug: "Unser Mann für Hamburg".

Gewollte Provokation, na klar. Ausgerechnet von der Männerpartei FDP: Die ironische Brechung müsse man ja wohl nicht erklären, das sei liberal, progressiv. Da Rainer Brüderle nicht mehr dabei ist, übernehmen selbst die Frauen den Altherrenhumor. Nach dem Motto: Brave Wahlplakate gibt es ja so viele, über das hier aber wird geredet werden.

Auch der Kontrast zur vergangenen Wahl 2011 ist gewollt. Da war Suding erstmals Spitzenkandidatin der Hamburger FDP – und machte sexy Wohlfühl-Wahlkampf. "Kat- JA", so der damalige Slogan, schmiegte sich lächelnd in ein FDP-gelbes Friesennerz: "Positiv denken, positiv handeln". Eine weiche Kampagne, die fast sieben Prozent brachte.

Es folgten raue Zeiten, Suding hat sie überlebt, auch im internen Konkurrenzkampf. Sie hat "ihren Mann gestanden", würden alteingesessene Liberale das formulieren. Parteichef Lindner sagt das am Hamburger Abend nur fast: "Sie setzt sich durch. Sie hat bewiesen, dass sie Charakter hat. Deshalb ist sie unser Mann für Hamburg."

Noch Fragen? Es unterbricht Wolfgang Kubicki, der Frauenversteher der FDP. "Hamburg braucht vor allem ein neues Gesicht", flötet er auf der Bühne und zwinkert der Kandidatin zu. Die lächelt tapfer. Früher sagte Kubicki, mit Suding könne man sich "sehen lassen", und meint es bis heute. Aber wie geht das mit ihr als Mann?